Sport : Zitternde Eisbären

Claus Vetter

Die Angst vor dem Versagen ist nicht unbedingt produktiv. Erst recht nicht im Sport. Die Spieler des EHC Eisbären belegten diese These am Freitag in eindruckvoller Manier. Nachdem die Berliner zuvor in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) vier Heimniederlagen in Folge erlitten hatten, stellte gestern vor 4000 Zuschauern im Sportforum Hohenschönhausen die Furcht vor einer weiteren Pleite für die Eisbären offensichtlich eine höhere Hürde dar als der biedere Gegner. Heraus kam dank der Nervosität beim EHC ein zerfahrenes Spiel, das nur den treuesten Anhängern der Eisbären gefallen konnte, eben weil sich ihre Lieblinge schließlich mit 4:3 (1:1, 2:1, 0:1/1:0) nach Penaltyschießen gegen die Hannover Scorpions durchsetzen konnten.

Immerhin wirkten die Eisbären trotz aller Verkrampfung entschlossener als ihr Gegner. Doch auch beste Möglichkeiten wurden - wie so oft in jüngster Zeit - von den Berliner Stürmern verschludert. So musste es zunächst ein Verteidiger richten, nach neun Minuten konnte Dan Laperriere Hannovers 17-jährigen Torhüter Patrick Ehelechner überwinden. Die Führung verschenkten die Berliner nach einem Foul von Sven Felski schnell wieder: Jakob Karlsson schoss den Überzahltreffer für Hannover zum 1:1.

Von den Eisbären-Fans wurden die Scorpions gestern völlig zu unrecht als Provinzklub verspottet. Schließlich sind die ehemaligen Mellendorfer inzwischen in die Preussag-Arena auf dem Hannoveraner Messegelände umgezogen und haben nun einen deutlich höheren Zuschauerschnitt als der EHC. Ein wenig provinziell wirkten die Scorpions gestern allerdings in ihrer Spielauffassung. Auf geordnete Defensivarbeit legten sie keinen Wert: So waren den Treffern der Eisbären im Mitteldrittel durch Steve Larouche und Eduard Lewandowski Hannoveraner Unachtsamkeiten vorangegangen. Dass trotzdem beim EHC weiter gezittert wurde, lag daran, dass die Eisbären-Verteidiger Ed Patterson und Rob Leask ihren Torwart Richard Shulmistra behindert und Hannover das 2:2 durch Len Soccio gestattet hatten.

Lange sah es dann so aus, als solle das letzte Drittel nicht nur niveau- sondern auch torlos bleiben. 77 Sekunden vor Schluss verschenkten dann die Eisbären aber doch noch ihre Chance auf drei Punkte: Jakobsson traf zum glücklichen 3:3 für Hannover. Der Sieger musste im Penaltyschießen gefunden werden, hier kamen die Eisbären dann wenigstens zu zwei Punkten: Marc Fortier verwandelte den entscheidenden Penalty.

Capitals unterliegen in Nürnberg

Ebenfalls recht eng ging es zwischen den Berlin Capitals und den Nürnberg Ice Tigers aus. Dabei nutzte der Tabellenzweiten der DEL den Vorteil der eigenen Halle und bezwang den Gast aus Berlin mit 3:1 (1:1, 1:0, 1:0). In einem fairen, aber eher durchschnittlichen Spiel konnten die Capitals lange mithalten. Sowohl die 1:0-Führung der Franken durch Martin Jiranek sowie der Ausgleich durch Gordon Hynes waren Überzahltore. Beim 2:1 ließ Torhüters Andrej Mezin den Abstauber durch Vitalij Aab passieren, doch bis zum Schluss waren die Capitals dem Ausgleich nahe. Mit sechs Feldspielern kassierten die Capitals den entscheidenden Treffer - Bruno Zarillo traf ins leere Tor zum Endstand.

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