Sport : Zizous Zauberschule

Futsal gewinnt an Popularität – und wird auch für den DFB interessant

Ron Ulrich

Berlin - Es sind Tore wie Kunstwerke. Der Spieler nimmt den Ball mit der Sohle mit, lupft ihn mit der Hacke über den Torwart und schießt ihn dann volley mit dem Außenrist ins Tor. Falcão ist in seiner Heimat Brasilien ein Star. Die Jugendabteilung von Manchester City engagierte ihn für mehrere Übungseinheiten als Trainer, 2005 spielte er mit São Paolo dann in der südamerikanischen Fußball-Champions League. Dabei ist er kein professioneller Fußballer, sondern Futsal-Spieler. Das Beispiel Falcãos zeigt, welch enorme Zugkraft diese Sportart hat, die den wenigsten hierzulande ein Begriff ist.

Futsal, jenes Fünf-gegen-fünf-Spiel in der Halle auf Handballtore, mag in Deutschland noch der Ruf einer exotischen Abwandlung des Hallenfußballs anhaften, doch in manchen Ländern gehört es zu den beliebtesten Sportarten. Bei der Futsal-WM in Brasilien strömten 2008 insgesamt über 290 000 Zuschauer zu den Spielen. „In Polen, Italien oder Portugal hat Futsal einen enormen Stellenwert. In Asien oder Südamerika ist der Sport fest etabliert. Nur in Deutschland hinken wir bei dieser Entwicklung noch hinterher“, sagt Jörg Meinhardt. Seit zwei Jahren begeistert sich der Berliner für den Sport, betreute die Futsal-Mannschaft von Hertha BSC und ist aktuell beim deutschen Meister SD Croatia Berlin tätig. Am gestrigen Freitag organisierte er in der Sömmeringhalle in Charlottenburg ein Turnier mit den besten Teams aus Deutschland und einer Profi-Mannschaft aus Polen. „Die Zuschauer beim Futsal sind begeistert von dem Tempo und der Technik.“

In der Tat lebt Futsal von seiner außergewöhnlichen Dynamik. Spielerische Kreativität und enge Ballführung sind Grundvoraussetzungen für die Akteure, bedingt auch durch die Regeln des Spiels: Keine vier Sekunden darf der Ball nach einem Foul oder Einwurf ruhen, das Grätschen ist nicht gestattet, gewechselt wird fließend. Eine wichtige Rolle spielt auch der Ball, er ist etwas schwerer und kleiner als ein herkömmlicher Fußball und springt dadurch nicht so weit weg. Rafinha, ehemaliger Bundesligaspieler des FC Schalke und heute beim italienischen Verein FC Genau, sagt: „Dadurch, dass der Ball etwas kleiner ist, ist es gerade für die Jüngeren eine gute Technikschule.“ Fast 500 Spieler kicken allein in Berlin in drei gestaffelten Futsal-Ligen. Seit 2006 gibt es den DFB-Futsal-Cup, bei dem die acht besten Teams aus den Landesverbänden den Deutschen Meister ausspielen, der Sieger tritt im UEFA-Futsal-Cup auf europäischer Ebene an.

Brasilien und Spanien sind die erfolgreichsten Mannschaften, im Fußball eben jene Nationen, deren Spieler als besonders technisch begabt gelten. Das ist kein Zufall. „In Brasilien fängt jeder kleine Junge mit Futsal an“, sagt Rafinha. „Erst später geht es zum Fußball.“ Die größten Talente des Fußballs spielten schon Futsal, bevor sie ihre ersten Milchzähne verloren. Lionel Messi, Andres Iniesta und Zinedine Zidane sind die prominentesten Beispiele dafür, wie aus Futsal-Talenten Stars im Weltfußball wurden.

Für Jörg Meinhardt würde eine Einbindung von Futsal auch bei der deutschen Fußballjugend Sinn machen. „Viele sehen Futsal als Konkurrenz zum Fußball, dabei könnte beides sich sehr gut ergänzen.“ Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) nahm diese Erkenntnisse ernst. „Beim Futsal besteht ein hoher Lerneffekt, gerade diesen Fußball auf Kleinfeld propagieren wir schon seit Jahren“, sagt DFB-Direktor Willi Hink. „Seit ungefähr zehn Jahren haben wir das Augenmerk auf den Futsal verstärkt.“ Doch im Vergleich zu anderen Ländern bleiben es kleine Fortschritte – Deutschland hat noch nicht einmal eine Nationalmannschaft. Den Vergleich mit den Futsal-Größen in Brasilien und Argentinien relativiert Hink: „Es ist eine Frage der Rahmenbedingungen und der Jugendkultur. In Südamerika sind die Kinder es seit jeher gewohnt, auf engen Feldern zu spielen. In Deutschland gibt es diese Kleinfeld-Kultur noch nicht.“

Dabei schult Futsal gerade die Schnelligkeit. Falcão, der große Futsal-Star aus Brasilien, sagte einmal, dass ihm der normale Fußball zu langsam sei. Man müsse viel zu lange auf den Ball warten.

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