Zlatan und die zehn Lakaien : Schwedens Spiel lebt fast nur von Ibrahimovic

Im Spiel der Deutschen Fußballnationalmannschaft gegen Schweden richtet sich der Blick vor allem auf einen Mann: Zlatan Ibrahimovic. Er ist der Star der schwedischen Mannschaft - und er kann Spiele ganz allein entscheiden.

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Schwedens Spiel lebt fast nur von Ibrahimovic.
Schwedens Spiel lebt fast nur von Ibrahimovic.Foto: dpa

Vor ein paar Monaten in Kiew, nach einer überraschenden 0:2-Niederlage gegen Schweden, ist der französische Nationaltrainer gefragt worden, ob er denn eine Erklärung für dieses Debakel habe. Naturellement, sprach Laurent Blanc: Die Schweden hätten da einen, den er auch gern hätte. „Einen Spieler, der ein Spiel ganz allein entscheiden kann.“

Dieser Mann heißt Zlatan Ibrahimovic. Der Stürmer von Paris St. Germain bündelt in sich den zuweilen nur verhaltenen Optimismus der deutschen Nationalspieler vor dem WM-Qualifikationsspiel in Berlin. Schwedens Trainer Erik Hamrén weiß um die Fokussierung auf seinen Kapitän, „aber damit muss Zlatan in jedem Spiel leben. Ich hoffe, er kann wieder für ein paar besondere Momente sorgen.“

Ibrahimovic ist Schweden, und Schweden ist Ibrahimovic. So wie sich heute kaum noch jemand die Namen derer rezitieren kann, die 1986 neben Diego Maradona Weltmeister wurden, ist es von untergeordneter Bedeutung, wer im Schatten Ibrahimovics ein blau-gelbes Leibchen tragen darf. Schwedens Nationalteam ist eine der letzten One-Man-Veranstaltungen der Fußballwelt.

Ähnliches wird gern von Cristiano Ronaldos Portugiesen oder Lionel Messis Argentiniern behauptet. Doch Portugal funktionierte zuletzt bei der EM so gut, weil ein hart arbeitendes Kollektiv die Vorzüge Ronaldos perfekt zur Geltung brachte. Und wie wertlos Messi sein kann, das war beim WM-Desaster vor zwei Jahren unter dem Trainerdilettanten Maradona zu beobachten. Zur alles überrollenden Naturgewalt wurde er in der Nationalmannschaft erst, als der neue Trainer Alejandro Sabella zur Unterstützung das Triumvirat mit Sergio Agüero, Gonzalo Higuain und Angel di Maria abkommandierte.

Den Vergleich mit Messi mag Ibrahimovic nicht besonders. Er erinnert ihn an das einzige missratene Jahr seiner Profikarriere, die Saison 2009/2010 in Barcelona. Mit bescheidenem Laufaufwand und dem absolutistisch vorgetragenem Anspruch auf Ballbesitz passte er nicht zur von Trainer Pep Guardiola vorgegebenen Philosophie. Immer seltener fand er sich in der Startaufstellung. Er schob das zum einen auf Guardiola, weil dieser „mit mir einen Ferrari gekauft hat und ihn wie einen Fiat fährt“. Und zum anderen auf Messi, der ihm den Platz im Zentrum abspenstig gemacht habe, „darauf wurde das System geändert und ich war das Opfer“. Die Geschichte ging unappetitlich zu Ende. Mit Ibrahimovics Drohung, dem Trainer bei Gelegenheit eine runterzuhauen. Und der Empfehlung seines Beraters, Guardiola möge sich doch bitte in psychiatrische Behandlung begeben. Ibrahimovic zog beleidigt (und unter hohen Verlusten für Barça) weiter zum AC Milan, wo er wieder als Alleinherrscher präsidierte, in der Champions League aber nicht übers Viertelfinale hinauskam.

Ibrahimovic ist jetzt 31 und mit fünf Klubs in drei Ländern achtmal Meister geworden (zwei Titel mit Juventus wurden später aberkannt), aber die Champions League hat er noch nie gewonnen. Auch die Nationalmannschaft hat er nicht auf höchstes Niveau führen können. Ein Ibrahimovic allein ist eben zu wenig. Doch dieser Mangel an teaminterner Konkurrenz ermöglicht ihm jene exponierte Stellung, die seinen Stil am besten zur Geltung bringen kann. Ibrahimovic ist Einfädler und Vollstrecker, er bestimmt das Tempo und gelegentlich auch die Aufstellung. Nachdem im Sommer bei der EM das Auftaktspiel gegen die Ukraine verloren gegangen war, ließ Ibrahimovic verlauten, er sähe im Angriff lieber Johan Elmander anstelle des Bremers Markus Rosenberg.

Erik Hamrén tat ihm den Gefallen. Schweden schied dennoch früh aus, aber Ibrahimovic konnte für sich in Anspruch nehmen, dass er bei seiner dritten EM zum dritten Mal zwei Tore erzielt hatte, darunter das schönste des Turniers, einen Seitfallzieher gegen Frankreich. Was Laurent Blanc zu seiner Kiewer Sommerhymne inspirierte.

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