Sport : Zocker im Sattel

Ingo Wolff

Andrasch Starke blickt derzeit des Öfteren voller Wehmut auf den Schnee vor dem Fenster seiner Kölner Wohnung. Viel lieber würde Deutschlands bester Jockey jetzt in Hongkong in einem Apartmenthaus auf der Galopprennbahn Sha Tin sitzen und dort die Sonne genießen. Doch dieser Traum scheint für den Topjockey ausgeträumt - obwohl er sein Ziel eigentlich schon erreicht hatte. Vor einem Jahr hatte der 27-Jährige als erster Deutscher eine der begehrten dreimonatigen Gastlizenzen für den Hong Kong Jockey Club erhalten und war damit quasi in die Champions League der Jockeys aufgenommen worden. In diesem Jahr konnte er dieses Kunststück zusammen mit seinem deutschen Kontrahenten Andreas Suborics wiederholen. Doch nur Suborics durfte sich gestern über seinen ersten Sieg in Hongkong freuen. Starke sitzt derweil zu Hause. Die Hongkonger Veranstalter haben ihn nach Hause geschickt, weil bei ihm eine verbotene Substanz im Blut gefunden worden war.

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Die auffällige Probe war schon eine Wiederholungsprobe gewesen, da eine zufällige Stichprobe, die während eines Laufes um den Titel des Jockeyweltmeisters genommen worden war, keine brauchbaren Ergebnisse gebracht hatte. Deshalb hatten die Hongkonger Dopingtester um eine neue Urinabgabe gebeten. Der Befund hatte es dann wohl in sich. Schon für den Mittwoch wurde Starke von der Morgenarbeit mit den Pferden entbunden. Daraufhin reiste der hoffnungsvolle Jockey wieder ab - im Gepäck statt jeder Menge Rennpreise nur die Enttäuschung, die vielleicht größte Chance seines Lebens verspielt zu haben.

So hat sich Starke nun in seiner Kölner Wohnung verkrochen und redet mit niemandem. Selbst mit seinem Trainer Andreas Schütz kommuniziert er im Moment nur per E-Mail. Zu sehr fürchtet er die Reaktionen der Öffentlichkeit und vor allem der Pferdebesitzer, die dem deutschen Championjockey bisher die besten Pferde des Landes anvertraut haben. Nicht nur ein erneutes Engagement in Hongkong hat Starke damit voraussichtlich verspielt. Dort würde er als Wiederholungstäter gelten. Schon im vorigen Dezember hatten ihn die Hongkonger Dopingfahnder mit 1,2 Promille Alkohol im Blut erwischt und mit einer vierwöchigen Sperre belegt.

Damals hatte man dem Neuling noch einmal verziehen, obwohl der Fall spektakulär war. Schließlich wurden in Hongkong in den letzten vier Jahren nur insgesamt fünf Jockeys mit verbotenen Substanzen erwischt. Doch nun würde ihm dort kein Trainer mehr ein Pferd anvertrauen. Winfried Engelbrecht-Bresges, der deutsche Renndirektor des Hong Kong Jockey Clubs, sagt: "Wir haben hier keine Knappheit an Jockeys, gerade diese Woche kommen neue Jockeys hinzu."

Aber auch Starkes Karriere in Deutschland ist diesmal in Gefahr. Bekäme er eine Sperre, dann wäre die international gültig. Noch steht zwar die B-Probe aus, die auf Andrasch Starkes Wunsch in einem unabhängigen Labor in Australien getestet wird, doch schon diese Woche könnte sich die Zukunft des in der Nähe von Hamburg geborenen Reiters entscheiden. Gut sieht es für den Jockey nicht aus. Mit dem ebenfalls in Deutschland reitenden Dänen Lennard Hammer-Hansen wurde in Hongkong bereits ein Jockey für die frei werdende Lizenz nachnominiert.

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