Sport : Zögerliche Revolution

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Fans auf der ganzen Welt stießen im Juli einen Seufzer der Erleichterung aus. Die wichtigste Frage des Fußballs – drin oder nicht drin? – sollte nach dem Willen des Weltverbands Fifa künftig mit technischen Hilfsmitteln beantwortet werden. Nie wieder Ungerechtigkeit, eine Revolution für das Gute im Fußball! Ab heute wird die Tor-Technologie bei der Klub-WM in Japan erstmals bei einem großen Turnier eingesetzt – und droht zum Revolutiönchen zu schrumpfen.

Die Fifa hatte sich erst nach jahrelangen Tests und vielen Fehlentscheidungen dazu durchgerungen, zwei verschiedene Technologien zuzulassen. Das kamerabasierte englische Hawk-Eye-System wird in Japan ebenso eingesetzt wie die deutsche GoalRef-Technik, die auf ein Magnetfeld setzt. Allerdings stellte die Fifa vor Beginn des Turniers klar: Das letzte Wort wird immer noch der fehlbare Mensch haben, also der Schiedsrichter. Die Unparteiischen können vor Anpfiff sogar entscheiden, ob sie nicht doch auf die technische Hilfe verzichten wollen. Die Bundesliga hat bereits dankend abgewinkt, wegen zu vieler Ungewissheiten werden deutsche Stadien vorläufig unverkabelt bleiben. Die Fifa räumt beiden Systemen in verschiedenen Testverfahren Toleranzbereiche für Fehler ein. Wozu aber überhaupt Technik einsetzen, wenn sie doch fehlbar bleibt?

Keine Frage: Die Fifa tut gut daran, eine derart wichtige Änderung gewissenhaft und sorgfältig einzuführen. Das zögerliche Vorgehen des sonst so zielstrebigen Weltverbands könnte aber das Vertrauen in die Technik untergraben. Und wenn künftig Entscheidungen des virtuellen Unparteiischen genauso angezweifelt werden wie die seines menschlichen Kollegen, ist rein gar nichts gewonnen.

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