Zoff bei Hertha : Das Ende der Leichtigkeit

Robert Ide über den neuen Zoff um Herthas Manager Dieter Hoeneß.

Robert Ide

BerlinEs war der leichteste Moment für Hertha BSC in dieser Saison: Die Mannschaft von Trainer Lucien Favre führte die Bundesliga an, sie hatte sogar beim Angstgegner Cottbus gewonnen und nun bildeten die Spieler einen Kreis und in ihrer Mitte tanzte Manager Dieter Hoeneß. Befreit wirkte er, und diese Szene schien auch eine Befreiung für den Verein zu sein: Hoeneß, um den sich bei Hertha stets alles zu drehen hatte, fügte sich ein in den Kreis der anderen und bekam dafür einen besonderen Moment geschenkt. Das ist jetzt sechs Wochen her.

Inzwischen ist Hertha nicht mehr Tabellenführer, und das ist natürlich nicht Hoeneß anzulasten. Aber dass das Arbeitsklima beim Berliner Bundesligisten nicht mehr so leicht ist, hat wohl vor allen Dingen mit dem Vorsitzenden der Geschäftsführung zu tun, der anderen ihre Erfolgsmomente zu neiden scheint. Geschichten von Hoeneß’ Selbstherrlichkeit machen schon seit Jahren die Runde, nun aber begehren Teile der Vereinsführung auf. Der nicht minder machtbewusste neue Präsident Werner Gegenbauer hat keine Lust auf „Dieter-Hoeneß-Festspiele“; Erfolgstrainer Favre hält auf der Bank keinen Platz mehr für den Manager frei. Hoeneß, der seinen Rückzug zum Sommer 2010 viel zu früh angekündigt hatte, sieht offenbar seine Macht schwinden und krampft sich nur umso fester an sie. Das hat – gerade wegen der Verdienste von Hoeneß – auch tragische Züge. Für den Verein viel dramatischer ist: Wenn dem Geschäftsführer unterstellte Führungspersonen in einem Brief an das eigene Präsidium die Zusammenarbeit infrage stellen, wohl auch, weil sich Hoeneß falsch verstanden fühlt, dann schadet das dem Verein. Eine sportlich gute und für Herthas Image endlich einmal leichte Saison wird so gefährdet.

Es ist der schwerste Moment für Hertha BSC in dieser Saison: Findet Dieter Hoeneß die Kraft, sich dauerhaft ins Team der anderen einzufügen oder nicht? Wenn nicht, könnte es sein, dass schon in der kommenden Saison ein anderer an seiner Stelle auf dem Rasen tanzt.

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