Zoff im Training : Kämpfen, Hertha, kämpfen!

Bei Herthas letztem öffentlichen Training der Saison bekommen die kaum 100 anwesenden Fans noch einmal etwas geboten. Von Geschlossenheit im Team kann allerdings keine Rede sein.

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Jugend trainiert für Olympia? Mitnichten. Die Herthaner Änis Ben-Hatira und Christian Lell im Clinch.Alle Bilder anzeigen
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13.05.2012 14:21Jugend trainiert für Olympia? Mitnichten. Die Herthaner Änis Ben-Hatira und Christian Lell im Clinch.

Es sollte ein guter Sonntagmorgen werden bei Hertha BSC. Die Mannschaft wollte sich ihren Fans präsentieren beim öffentlichen Training. Nach Tagen der Abschottung. Und dann so was. Eine Szene reicht, um die Anspannung des Berliner Fußball-Bundesligisten vor dem entscheidenden Relegationsspiel am Dienstag bei Fortuna Düsseldorf offen zu legen: Im Trainingsspiel gerät Christian Lell mit Änis Ben-Hatira aneinander. Lell foult Ben-Hatira, der revanchiert sich mit einem Kopfstoß, dessen Wucht sich aus der Distanz schwer einschätzen lässt – aber bei einem Bundesligaspiel hätte es wohl locker für einen theatralischen Sturz mit anschließender Rudelbildung gereicht. Diesmal ist es nur Training, Lell bleibt stehen, aber das Bemühen um demonstrative Geschlossenheit ist passé. Was um 10 Uhr mit einem kollektiven Aufmarsch des Teams auf den Platz an der Hanns-Braun-Straße begonnen hat, endet wie so vieles in dieser Saison bei Hertha im Chaos.

Dabei hatten sie es gut gemeint. Zwei Tage vor der drohenden Zweitklassigkeit gibt es Hertha zum Anfassen, Fotos und Plausch mit Manager Michael Preetz inklusive. Ein später Kurswechsel in der Vereinspolitik. Die Volksnahen müssen allerdings ohne viel Volk auskommen an einem tristen, windigen Sonntagmorgen. Kaum 100 Fans sind gekommen. Erst einmal bekommen die auch nicht viel zu sehen, die Spieler machen ihre Laufübungen auf dem hinteren Platz. Drei Torhüter, 19 Feldspieler und dazu ein bisschen Show für den Anhang an diesem Morgen der gespielten Eintracht. Präsident Werner Gegenbauer ist sogar schon zehn Minuten vor der Mannschaft auf dem Platz. Die schon lange Verletzten Fabian Lustenberger und Maik Franz drehen ein paar Runden um den Platz.

Eine Chronik des Grauens: Hertha und die Eigentore.

Hertha und die Eigentore
Was haben Michael Preetz (r.) und Roman Hubnik gemeinsam? Man glaubt es kaum, aber beide haben in ihrer Spielerkarriere zwei Eigentore in Diensten von Hertha BSC fabriziert. Während der heutige Manager dafür aber dreieinhalb Jahre brauchte, schaffte der tschechische Verteidiger das in etwas mehr als vier Monaten. Hubnik steht damit sinnbildlich für eine grauenhafte Saison der Berliner, die womöglich im Abstieg in die Zweite Liga gipfelt.Alle Bilder anzeigen
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11.05.2012 20:20Was haben Michael Preetz (r.) und Roman Hubnik gemeinsam? Man glaubt es kaum, aber beide haben in ihrer Spielerkarriere zwei...

Soll natürlich zeigen: Alle wollen mit viel Herz und Hingabe ihren kleinen Teil dazu beitragen, dass am Dienstag in Düsseldorf keine Aufstiegsfeier der Fortuna stattfindet. Nur, Herz und Hingabe lassen sich nicht verordnen. Andreas Ottl etwa, von Rehhagel zuletzt aus dem Aufgebot verbannt, bewegt sich beim Spiel auf dem Kleinfeld so, wie sich jemand bewegt, der sich nicht bewegen will.

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