Sport : Zu Bronze gestürzt

Trotz Freunds Fehler jubelt das Skisprung-Team

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Sonntags-Sturz. Severin Freund fiel nach der Landung in den Schnee – das machte aber nichts. Foto: dpa
Sonntags-Sturz. Severin Freund fiel nach der Landung in den Schnee – das machte aber nichts. Foto: dpaFoto: dpa

Zwei Mal ging ein Raunen durch die Zuschauermenge am Midtstubakken. Beim ersten Mal war es mehr ein entsetztes Raunen, weil der deutsche Schlussspringer Severin Freund sich nach seinem Talflug außerplanmäßig in den Schnee gesetzt hatte. Beim zweiten Mal, eine halbe Minute später, war es dann eher ein erstauntes Raunen. Weil das deutsche Quartett beim Team-Wettbewerb auf der Normalschanze trotz des Sturzes noch immer in Führung lag und angesichts der allein noch nachfolgenden Norweger und Österreicher die angepeilte WM-Medaille in Oslo sicher hatte.

Am Ende gab es für Freund und seine Mitstreiter Martin Schmitt, Michael Neumayer und Michael Uhrmann hinter den souveränen Österreichern und den WM-Gastgebern die Bronzemedaille. Alle rund um den Holmenkollen schienen angesichts des Medaillensturzes angespannt – nur einer nicht. „So ein Sturz kostet dich in der Endabrechnung 25 Punkte, und wir hatten schon 40 Punkte Vorsprung. Deshalb war ich wenig aufgeregt“, sagte Bundestrainer Werner Schuster, nachdem er einen zehnminütigen Gratulationsparcours durch den Zielraum absolviert hatte.

Lobenswert fand Schuster vor allem den Auftritt des 33-jährigen Martin Schmitt, der im reifen Sportleralter seine Premiere als Startspringer erlebte und die Aufgabe zur vollen Zufriedenheit löste: „Martin war sehr wertvoll. Er hat diese Rolle wirklich toll ausgefüllt.“

Severin Freund dagegen fühlte sich erst toll, als die Zwischenplatzierung des deutschen Teams auf der Anzeigetafel aufleuchtete. Zuvor hatte der Aufsteiger dieses Winters, kaum dass er wieder einigermaßen gerade auf den Beinen stand, seine Handschuhe aus lauter Frust weit von sich gepfeffert und einen insgesamt sehr unglücklichen Eindruck gemacht. „Ich hatte keine Ahnung, wie viel Vorsprung wir hatten“, sagte der 22-jährige Niederbayer. „Und es ist immer ganz schlecht, wenn man sich hinlegt. Deshalb dachte ich mir nur: Ei, ei, ei – war es das jetzt?“

War es nicht, und so konnte Freund seinen ansonsten erfreulichen Auftritt auf der kleineren WM-Schanze nach überstandenem Schrecken auch ausgiebig genießen. „Bis auf die Landung bei meinem zweiten Sprung war ich sehr zufrieden“, sagte Freund. „Das hat sich heute noch ein Stück besser angefühlt als im Einzel.“ Bei der Konkurrenz am Vortag war der Mann, der im Januar seine ersten beiden Weltcupsiege gefeiert hatte, Siebter geworden. Doch WM-Neuling Severin Freund soll bei den Titelkämpfen am Holmenkollen noch besser springen. In dieser Woche geht es auf die Großschanze oberhalb des Midtstubakken, am Donnerstag werden dort die Einzel-, am Samstag die Teammedaillen verteilt. „Ich habe mir nicht das Ziel gesteckt, hier unbedingt eine Medaille holen zu müssen“, sagte Freund. Er möchte seine Rolle als „gefährlicher Außenseiter“ in Norwegen gerne weiter spielen. Bundestrainer Schuster allerdings stellt zumindest so viel klar: „Er ist unser einziger seriöser Medaillenkandidat. Bei den anderen müsste schon etwas Besonderes passieren, aber das immerhin kann man nie ausschließen.“

Ausschließen kann man jedoch, dass Severin Freund wegen seines Sonntags-Sturzes bleibende seelische Schäden davon tragen wird. „Er ist bei seinem zweiten Versuch wahnsinnig hoch gesprungen, so hoch wie kein anderer“, staunte Bundestrainer Schuster im Rückblick. Während ein höchst erleichterter Severin Freund („Der Sturz ist schon vergessen, wir haben ja eine Medaille“) bei seinem Ausblick auf die verbleibenden WM-Tage Treue zum eigenen System schwor: „Ich werde jetzt nicht anfangen, auf der Großschanze irgendetwas anders zu machen.“

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