Sport : Zu den Akten

Der Hamburger SV erhält zwei Millionen Euro für das manipulierte Pokalspiel, bleibt aber ausgeschieden

Christian Tretbar[Frankfurt am Main]

Am Ende schüttelten sie sich die Hände und strahlten in die Kameras. „Ich muss schon sagen, dass ich ein Stück erleichtert bin“, gab Theo Zwanziger zu. Im Laufe eines langen Nachmittags hatte sich der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Frankfurt am Main mit dem Vorstandsvorsitzenden des Hamburger SV, Bernd Hofmann, auf einen Vergleich geeinigt. Insgesamt zwei Millionen Euro erhält der HSV dafür, dass er durch die Manipulation des Schiedsrichters Robert Hoyzer am 21. August 2004 in der ersten Runde des DFB-Pokals am SC Paderborn (2:4) scheiterte. Im Gegenzug zieht der HSV seine Forderung nach Wiedereingliederung in den Wettbewerb zurück.

500 000 Euro erhält der HSV direkt vom DFB. Hinzu kommen die Einnahmen eines Länderspiels der Nationalmannschaft am 8. Oktober in Hamburg gegen China oder Japan. Sollte das Länderspiel weniger als 1,5 Millionen Euro einspielen, wird der Differenzbetrag vom DFB an den HSV gezahlt. Diese Entscheidung hat aber Zwanziger zufolge keine Auswirkungen auf die noch anstehenden Verhandlungen der anderen ebenfalls manipulierten Spiele. „Da wird kein Raum für Entschädigungszahlungen sein, weil es sich dabei um Ligaspiele handelt, die wiederholt werden könnten.“

Auch im Fall Hamburg hatte Rainer Koch, der Vorsitzende des DFB-Sportgerichts, in der Verhandlung noch einmal alles versucht, um eine Entscheidung „im Sinne der sportlichen Gerechtigkeit“ hervorzubringen. Deshalb machte er neben dem wirtschaftlichen Vergleichsvorschlag auch folgenden: Der HSV sollte im Viertelfinale gegen den Sieger des Spiels SC Freiburg – FC Bayern München antreten. Aber er schon als er den Vorschlag unterbreitete, wusste er, dass dies kaum zu realisieren sein würde. Auch HSV-Vertreter Hofmann favorisierte diese Variante, musste am Ende aber einsehen, dass die „Schwierigkeiten einfach unüberbrückbar“ waren: „Bei einer anderen Lösung wäre über Monate oder sogar Jahre ein juristisches Damokles-Schwert geschwungen.“ DFB-Präsident Zwanziger wollte dies auf jeden Fall verhindern und deshalb „nicht um einen Euro feilschen. Wir als DFB haben signalisiert, dass wir verantwortlich sind und dafür gerade stehen.“ Jetzt wüssten alle im DFB-Pokal verbliebenen Vereine, dass ihre Situation nicht juristisch angetastet wird.

Außerdem hat sich Theo Zwanziger bereit erklärt, einem Gnadengesuch von Emile Mpenza nachzukommen. Der Hamburger Profi hatte Hoyzer zweimal als „Arschloch“ bezeichnet, woraufhin dieser ihn vom Platz stellte. Mpenza habe zwar etwas grob Unsportliches gesagt, erklärte Zwanziger, „aber ich hätte mit dem heutigen Kenntnisstand genau dasselbe gesagt“. Sollte Zwanziger seine Ankündigung wahr machen, wäre Emile Mpenza für die erste DFB-Pokal-Runde in der neuen Saison nicht gesperrt.

Die Verhandlung selbst war geprägt von einem respektvollen Umgang zwischen dem HSV und dem SC Paderborn. HSV-Anwalt Christoph Schickert hob noch einmal die Tragweite hervor und erinnerte daran, dass „die Würde der Hamburger Spieler betroffen ist, die nur bloßes Objekt krimineller Machenschaften waren“. Koch betonte immer wieder die rechtlichen Zulassungsschwierigkeiten für den Einspruch. Denn der DFB sieht in seinen Statuten die Spielmanipulation nicht ausdrücklich vor.

Wesentlich spektakulärer war dann die Beweisaufnahme. Erstmals wurden dabei direkte Äußerungen Robert Hoyzers bekannt. So erklärte er, dass ihm 18 000 Euro versprochen wurden, wenn er einen Sieg Paderborns gegen Hamburg herbeiführe. Damit die Manipulation gelingen konnte, habe er Unterstützung vom Paderborner Mannschaftskapitän Thijs Waterink erhalten. Mit diesem habe sich der mutmaßliche Urheber des Betrugs, Ante S., dann vor dem Spiel in einem Waldstück getroffen und ihm das Angebot unterbreitet. Am Anfang sei Waterink zögerlich gewesen, aber am Ende habe er die 10 000 Euro angenommen. Ante S. habe Waterink dann genau unterrichtet, wie er sich im Strafraum verhalten solle, damit der Schiedsrichter auf Elfmeter entscheide. Als Hamburg dann sehr schnell 2:0 führte, habe Hoyzer Waterink auf dem Platz zugerufen: „Mach doch mal was.“ Daraufhin fiel Waterink im Strafraum. „Ich wusste, dass es kein Elfmeter war“, sagte Hoyzer in der Vernehmung. „Aber aufgrund der Abmachung mit Ante S. habe ich auf Strafstoß entschieden.“

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