Sport : Zu dicht am Mann

Tunesiens Handballer wollen immer gewinnen – aber vor allem heute gegen Deutschland

Martín E. Hiller

Póvoa de Varzim. Die Handballer aus Tunesien haben sich für diese Weltmeisterschaft noch eine ganze Menge vorgenommen. Der Vierte der Vorrundengruppe A bestand bei seiner Trainingseinheit am Dienstag darauf, dass die zwei anwesenden deutschen Journalisten den Pavilhao Municipal, in dem auch die heutige Begegnung gegen Deutschland ausgetragen wird (15 Uhr 15, live in der ARD), verlassen. „Wir möchten nicht, dass Sie unsere Taktik durchschauen, sonst würden wir morgen mit einem Nachteil in das Spiel gegen die deutschen Handballer gehen“, sagte Trainer Sayed Ayari zur Begründung.

Nun ist dies eine Maßnahme, die bei der Handball-WM in Portugal noch keine der teilnehmenden Mannschaften für nötig gehalten hatte. Nachdem die Weltmeisterschaft 2005 unter zumindest fragwürdigen Umständen nach Tunesien und nicht nach Deutschland vergeben wurde und die Verlierer dieses sportpolitischen Duells die Gewinner öffentlich angriffen, sehen die Nordafrikaner das sportliche Duell als persönliche Herausforderung an. „Es ist ein absolut besonderes Spiel für uns. Wir werden zeigen, wozu Tunesien fähig ist“, sagt der tunesische Torwart Bouali Ilteb. Und dann sagt er noch, dass er die deutschen Reaktionen auf die Entscheidung über die WM-Vergabe „sehr arrogant“ fand.

Heiner Brand dagegen sieht keinen besonderen Reiz in der Begegnung mit dem nächsten WM-Gastgeber. Der Bundestrainer macht sich vielmehr Gedanken darüber, wie er mit dem unorthodoxen Handballstil der Tunesier fertig werden soll. „Die decken unsere Spieler sehr früh“, erzählt Brand. „Damit hatten wir schon in der Vergangenheit Schwierigkeiten." Deutschland, das sich mit nordafrikanischen Mannschaften und ihrem aggressiven Deckungsstil oft schwer tut, hatte Tunesien beim Freundschaftsturnier in Metz vor Monatsfrist nur mit einem Tor Vorsprung geschlagen. Und auch der nächste Zwischenrundengegner der Nationalmannschaft, Jugoslawien, hatte beim 28:27 in der Vorrunde große Probleme mit der tunesischen Formation. Diese hatte teilweise eine 3:3-Deckung gespielt, also alle jugoslawischen Rückraumspieler am Mann gedeckt. Diese Erfahrung lässt auch Ilteb hoffen, dass gegen Deutschland ein überraschender Sieg möglich ist. „Unser wahres, großes Ziel ist aber die Weltmeisterschaft zu Hause, bei der wir endlich mehr Fans für den Handball gewinnen wollen“, sagte Ilteb. Er selbst spielt mit seinem Verein Étoile du Sahel in der ersten tunesischen Liga durchschnittlich vor dreihundert Zuschauern.

Bis zur Weltmeisterschaft 2005 blickt Brand noch lange nicht voraus. Der Nationaltrainer verbittet sich derzeit sogar Fragen zum Spiel gegen die Jugoslawen, das am Donnerstag stattfindet. „Dazu sage ich erst nach dem Spiel gegen Tunesien etwas. Wenn überhaupt.“

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