Sport : Zu dumm zum Siegen

Bei Alba klappen komplizierte Dinge, einfache nicht

Helen Ruwald

Berlin. Dreimal aus der Distanz geworfen und dreimal getroffen hatte Lubos Barton, als er zwei Sekunden vor dem Ende erneut an den Ball kam. 77:77 stand es, Alba hatte gerade mit zwei Dreipunktwürfen ausgeglichen. Die Berliner ließen Barton werfen, Alba verlor 77:80 und hat es schwer, sich noch für die Zwischenrunde der Euroleague zu qualifizieren. Jeweils die ersten Fünf und der beste Sechste der drei Euroleague-Gruppen kommen weiter. Die Berliner, schlechtester Sechster, reisen nun zum Tabellenführer Treviso. Unbedingt besiegen müssten sie die direkten Konkurrenten Pau-Orthez und Zagreb – beides sind Auswärtsspiele.

Die Szene mit Bartons Dreier war bezeichnend für die Lage des Deutschen Meisters, der die sechste Pflichtspielniederlage in Folge einsteckte. Vermutlich alles verspielt hat Alba am Donnerstagabend in der Max-Schmeling-Halle nicht, weil die Mannschaft zu schlecht, sondern weil sie zu dumm für einen Sieg war. Drei viertel des Spiels überzeugte sie, obwohl Collins, Lütcke und Pesic verletzt fehlten. Collins und Pesic hatten im Hinspiel gemeinsam 48 Punkte erzielt. Der 20-jährige Guido Grünheid spielte in seinem ersten Europaligaspiel überhaupt sogar von Anfang an. Alba war den Italienern nicht trotz, sondern auch wegen Grünheid lange ebenbürtig. Von „Pech und Unglück in letzter Zeit“ sprach Trainer Emir Mutapcic, „wir haben gezeigt, dass wir nicht in einer spielerischen Krise stecken.“ In einer spielerischen nicht, in einer Krise schon.

Die Verletzten allein sind kein Grund für die Niederlagen. Pesic etwa hatte bis zu seinem Ausfall in dieser Saison kaum überzeugt. Alba verlor nicht, weil wichtige Spieler fehlten, sondern weil die, die verfügbar waren, im letzten Spielabschnitt „dumme Fehler“ (Mutapcic) machten. Sie ließen leichte Körbe des Gegners zu und hätten mehr taktische Fouls begehen müssen, um Korbwürfe zu verhindern. „Elf Sekunden vor dem Ende darf ich nicht überlegen, ob ich foulen darf“, sagt Mutapcic.

Rebounds waren in den vergangenen Jahren in der Euroleague Albas Schwäche, gegen die langen Italiener gewannen die Gastgeber das Reboundduell, die Berliner Quadre Lollis (9) und Jovo Stanojevic (10) waren die besten Rebounder des Abends. Gescheitert sind sie an der Freiwurflinie: Beide vergaben in den letzten Minuten je zwei Freiwürfe hintereinander, einmal scheiterten John Celestand und Mithat Demirel. Im letzten Viertel verwandelte Alba nur zwei von acht Freiwürfen, die Dreierquote (47 Prozent) war besser als die der Freiwürfe (44). „Verloren haben wir an der Freiwurflinie, und Freiwürfe trifft oder verschießt man im Kopf“, sagt Demirel.

Er ist Euroleague-erfahren, auch Stanojevic und Lollis sind es . Gerade bei ihnen müssten die Nerven in kritischen Situationen halten. Mit fehlender Konzentration aufgrund fehlender Kraft begründete Alba die Einbrüche gegen Ende der letzten Partien. Wegen der Verletzten stünden einzelne Spieler länger auf dem Feld – Lollis gegen Bologna 37 Minuten, Stanojevic 35. Er, der Erschöpfte, wurde kurz durch Kevin Rankin ersetzt, der erfahrene Center Teo Öztürk spielte erstmals in dieser Saison gar nicht. Sein Einsatz sei nicht notwendig gewesen, sagte Mutapcic.

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