Sport : Zu enger Kontakt

Marode Stadien wie in Dresden erhöhen die Gefahr, dass sich gegnerische Fußball-Fans verprügeln

Frank Bachner

Berlin - Die Flaschen flogen gleich neben dem Dresdener Rudolf-Harbig-Stadion. Sie landeten auf den Köpfen von Fans des 1. FC Magdeburg. Anhänger von Dynamo Dresden hatten die Flaschen geworfen, über die Polizisten hinweg, die den Tross der Magdeburg-Fans zum Bahnhof begleiteten. Das Regionalliga-Fußballspiel zwischen Dynamo Dresden und dem 1. FC Magdeburg war gerade 20 Minuten vorbei, Flaschenwürfe gehören bei solchen Duellen zum Ritual, auch an diesem Septembertag 2006. Die Fans der Klubs stießen förmlich aufeinander, das ließ sich gar nicht verhindern, und das, sagt Christian Kabs, „ist ein Riesenproblem in Dresden“.

Kabs ist Mitarbeiter im Fanprojekt Dresden, und er stöhnt: „Wir Fanbetreuer stoßen an Grenzen. In erster Linie müssen die Rahmenbedingungen stimmen.“ Die Rahmenbedingungen in Dresden sehen so aus, dass Gäste- und Dynamo-Fans den Eingang zu ihrem Block auf der gleichen Stadionseite haben, dass sie sich damit nach einem Spiel automatisch treffen. Was dann passiert, lässt sich oft genug im Polizeibericht nachlesen. Beim Spiel 1. FC Union gegen Dresden im November 2006 überwachten 1200 Polizisten die Fangruppen.

Marode oder nicht zweckmäßige Stadien, das ist eines der Probleme, wenn es um Fankrawalle geht. In Dresden sollte schon ab September 2006 ein neues Stadion gebaut werden. Planung, Finanzierung, alles schon geklärt, Gäste- und Dynamo-Fans hätten ihre Eingänge auf verschiedenen Stadionseiten. „Damit könnte man Gästefans schneller und ohne direkten Kontakt zu Dynamo-Fans zum Bahnhof bringen“, sagt Kabs. Doch wegen politischer Streitereien ist bis jetzt noch kein Spatenstich gemacht.

Im Zwickauer Stadion musste die Polizei im November 2006 verhindern, dass sich Zwickauer und Chemnitzer Fans prügelten. Weil Chemnitz’ Fans in den Block neben Zwickaus Anhänger gelotst worden waren, landete eine Leuchtrakete inmitten der Gästefans. Der eigentliche Gästeblock, fast 100 Meter vom Zwickau-Block entfernt, war von der Stadt gesperrt worden. Denn Funktionäre des FSV Zwickau hatten ihn ungenehmigt um 200 zusätzliche Plätze auf der Stahlrohrtribüne erweitern lassen. Geöffnet wird der Gästeblock erst wieder „zum ersten Punktspiel im neuen Jahr, am 24. Februar“. Das erklärt Uwe Findeis, Leiter des Sportamts Zwickau.

Weil Geld für Renovierungen fehlt, wird improvisiert. „Bei Risikospielen werden zusätzliche Trenngitter eingebaut“, sagt Lutz Fichtner, der Sicherheitsbeauftragte des Sächsischen Fußballverbands. Im Bruno-Plache-Stadion, wo Lok Leipzig auftritt zum Beispiel, oder im Alfred-Kunze-Sportpark, wo Sachsen Leipzig Pokalspiele bestreitet. Aber eine getrennte An- und Abreise der Fans ist im Alfred-Kunze-Park nicht möglich.

Beim 1. FC Union in Berlin schon, immerhin. Zudem „erfüllen wir seit Zweitliga-Zeiten die Sicherheitsstandards des Deutschen Fußball-Bunds“, sagt Pressesprecher Lars Töffling. Allerdings verlangt der DFB für die neue Saison, dass die Fans durch eine Art Schlauch jetzt einzeln zum Eingang geleitet werden. Damit soll verhindert werden, dass gleichzeitig mehrere Fans auf die Ordner zustürmen.

Das hilft freilich wenig, wenn Ordner selber das Problem darstellen. Rene Hutzler, der Fanbeauftragte von Zwickau, sagt, dass „viele Ordner selber aus der Hooligan-Szene kommen“. Er hatte schon Sicherheitsleute gesehen, „die ihre Weste ausgezogen und sich dann mit Polizisten geprügelt haben“. Möglicherweise gehören sie geistig zu jener Gruppe, die Morddrohungen gegen Klaus Reichenbach ausstießen. Der Präsident des Sächsischen Fußballverbands hatte mitentschieden, dass nach den Krawallen von Leipzig 60 Spiele abgesagt wurden. Auch Steffen Kubald, Präsident von Lok Leipzig, fühlt sich bedroht. Er will die Namen der Gewalttäter nennen, der er erkannt hat. Aber, sagte er der „Leipziger Volkszeitung“: „Wissen Sie, in welche Gefahr ich mich begebe?“ Die Gefahr droht möglicherweise von seinen Leuten. Lok-Fans hatten in Leipzig massiv mitgeprügelt.

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