Sport : Zu Gast bei Freuden

Borussia Dortmund berauscht sich an sich selbst und siegt 3:0 beim arg hilfsbereiten VfL Wolfsburg

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Sooo weit enteilt. Dortmunds Spielmacher Nuri Sahin (r.) feiert sein Tor zum 2:0 und die Tatsache, dass die Borussia weiter elf Punkte Vorsprung auf Rang zwei hat. Foto: dpa
Sooo weit enteilt. Dortmunds Spielmacher Nuri Sahin (r.) feiert sein Tor zum 2:0 und die Tatsache, dass die Borussia weiter elf...Foto: dpa

Beim VfL Wolfsburg legt man großen Wert auf gepflegte Umgangsformen. In die Vor-Spiel-Animation der Stadionsprecher („Wo sind die Fans von …?“) werden sogar die Anhänger des Gegners einbezogen, was in der Fußball-Bundesliga eher selten vorkommt. Gestern aber haben es die Wolfsburger mit ihrer Gastfreundschaft ein bisschen übertrieben. Vor dem Duell mit dem Tabellenführer Borussia Dortmund hatten sie in ihrer Arena extra ihren ramponierten Untergrund ausgetauscht – als wollten sie es den Dortmundern noch ein wenig leichter machen, auf einem jungfräulichen Rasen ihr flottes Kombinationsspiel aufzuziehen. Der BVB nahm dieses Angebot dankbar an. 3:0 (2:0) hieß es am Ende eines einseitigen Duells. Mit dem zehnten Sieg im elften Auswärtsspiel dieser Saison halten die Dortmunder ihre Konkurrenz weiterhin deutlich auf Abstand.

„Weltklasse“, nannte Nuri Sahin, Dortmunds Mastermind im Mittelfeld, die Auswärtsbilanz seines Teams. Das hätte er im Speziellen auch von der Darbietung in Wolfsburg behaupten können. „Das ist momentan eine andere Liga“, sagte Wolfsburgs Kapitän Marcel Schäfer über die Qualität der Dortmunder. Für den BVB war es ein fast perfekter Nachmittag. Allein die Gelbe Karte für Neven Subotic beeinträchtigte die schwarz-gelbe Leichtigkeit ein wenig. Weil es für den Innenverteidiger die fünfte in dieser Saison war, fehlt er am Freitag im Revierderby gegen Schalke 04.

Sonst lief alles im Sinne der Dortmunder. Schon nach zwei Minuten ging die Borussia 1:0 in Führung – als es für den VfL zum ersten Mal deutlich zu schnell ging. Sahin zerlegte mit einem Pass auf die rechte Seite die komplette Wolfsburger Defensive, Mario Götze flankte in die Mitte, wo am Fünfmeterraum Lucas Barrios sein neuntes Saisontor erzielte. Die Wolfsburger hatten ihrerseits schon vor dem 0:1 eine gute Gelegenheit, in Führung zu gehen. Schon nach 45 Sekunden setzte Diego einen Freistoß vom linken Strafraumeck ans Außennetz des Dortmunder Tores. Doch es sollte bis zur 26. Minute die letzte gefährliche Offensivaktion des VfL sein. Dann versuchte es Diego aus 25 Metern, Dortmunds Torhüter Roman Weidenfeller riss seine Fäuste hoch, wehrte den Ball ab und hielt auch den Nachschuss von Grafite.

Der Brasilianer, dessen Einsatz lange fraglich war, stand etwas überraschend in der Anfangself, Wolfsburg Neuverpflichtung, der von AS Monaco ausgeliehene Neuzugang Dieumerci Mbokani, saß hingegen zunächst nur auf der Bank. Dafür fehlte beim VfL Innenverteidiger Simon Kjaer wegen einer Sprunggelenksverletzung, und bereits nach 20 Minuten musste Wolfsburgs Trainer Steve McClaren Sascha Riether auswechseln, der angeschlagen ins Spiel gegangen war. „Ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen“, sagte McClaren angesichts der schwierigen Personalsituation und wies noch einmal auf die Notwendigkeit weiterer Verpflichtungen hin. „Wir müssen unseren Kader verstärken. Er ist nicht groß genug und hat nicht genug Qualität.“

Der VfL konnte sich an diesem Nachmittag zu keiner Zeit mit dem Tabellenführer messen. „Heute hat es für uns nicht gereicht“, sagte Verteidiger Arne Friedrich. Vor allem der Wolfsburger Offensive fehlte es an klarer Struktur: Diego versuchte sich immer wieder als Solist, hatte in Sven Bender aber auch einen höchst aufmerksamen Widerpart, der ihn immer wieder erfolgreich bekämpfte. „Wir hatten die richtig gut im Griff“, sagte BVB-Torhüter Weidenfeller.

Die Dortmunder erwiesen sich als zielstrebiger und deutlich handlungsschneller, was vor allem vor dem 2:0 zu beobachten war. Wieder kam der Ball aus dem Zentrum auf die rechte Seite zu Götze, Barrios wurde diesmal zwar von Alexander Madlung erfolgreich am Abschluss gehindert, doch während Wolfsburgs Verteidiger Peter Pekarik noch zu grübeln schien, was er mit dem Abpraller nun anstellen sollte, hatte Sahin schon nachgesetzt und den Ball ins Tor gegrätscht.

McClaren versuchte im Rahmen seiner beschränkten Möglichkeiten zu reagieren. In der 67. Minute verhalf er Mbokani doch noch zu seinem Bundesligadebüt. Es gibt eindeutig schönere Umstände. Das Spiel war längst entschieden, der BVB kontrollierte das Geschehen, ohne mit letzter Macht auf das dritte Tor zu drängen. Doch Mbokani war gerade drei Minuten auf dem Platz, da traf Dortmunds Innenverteidiger Mats Hummels im Anschluss an eine Ecke zum 3:0 für den BVB. Am langen Pfosten musste er den Flankenball von Nuri Sahin nur noch über die Linie drücken. Die Wolfsburger wollten einfach nicht davon ablassen, ihren Gästen das Leben so leicht wie möglich zu machen.

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