Sport : Zu jung, um mitzuspielen

Der 19-jährige Footballspieler Maurice Clarett will sich in die US-Profiliga einklagen

Stefanie Boewe

New York/Berlin. Er sei ein stiller, ruhiger Typ, der sich nicht in den Vordergrund dränge. So steht es in seiner Spielerbiografie des Colleges Ohio State. Wenn sich die Verfasser da mal nicht geirrt haben, denn der junge Footballer Maurice Clarett schlägt gerade so richtig Krach.

Nicht genug damit, dass der Ballträger vor Beginn seiner zweiten Saison von seiner Universität für ein Jahr suspendiert wurde, weil er Zahlungen entgegengenommen hatte, die ihm als College-Amateur nicht zustehen. Jetzt verklagte der 19-Jährige, gegen den wegen der verbotenen Zahlungen ein Strafverfahren anhängig ist, die National Football League (NFL) vor einem Bundesgericht in Manhattan.

Weil Clarett wegen seiner Verstöße nicht am College spielen darf, will er in die kommende NFL-Draft eintreten, bei der die Vereine die neuen Profispieler unter sich aufteilen. Doch die finanzkräftigste Profisportliga der Welt lässt für diese Vorauswahl nur Spieler zu, die seit mindestens drei Jahren die Highschool verlassen haben.

Für den Collegespieler Clarett, der schon in seinem ersten Jahr zum Star avancierte und sein Team zur Meisterschaft führte, ist diese Regelung eine unzulässige Einschränkung seines Rechts auf freie Berufsausübung.

Der Ausgang der Gerichtsverhandlung ist offen. Die besseren Chancen werden allerdings Kläger Clarett eingeräumt, denn die NFL ist die einzige der großen amerikanischen Sportligen, die an einem Mindesteintrittsalter festhält. „Jüngere Spieler sind weder körperlich noch emotional den Anforderungen in unserer Liga gewachsen“, sagt Dan Rooney, Besitzer der Pittsburgh Steelers. Sollte Clarett den Prozess gewinnen, könnte das weitreichende Folgen für die NFL haben. „Du öffnest die Tür für einen Spieler, und schon strömen Dutzende nach, die denken, sie wären ebenso gut. Wir haben es in anderen Sportarten gesehen, und es funktioniert einfach nicht“, sagt Rooney. 

Eine dieser Sportarten ist Basketball. In der amerikanischen Profiliga NBA sind die Altersgrenzen schon 1971 gefallen, als eine Klage von Basketball-Olympiasieger Spencer Haywood bis vor das oberste Gericht ging. Doch der Boom an jungen Spielern kam erst, nachdem die NBA auch eine Ersatzregel (so genannte „Frühabgänger“ mussten ihre finanzielle Bedürftigkeit nachweisen) fallen ließ. Die Aussicht auf hohe Gehälter trieb viele junge Talente vor dem Ende ihrer Collegezeit in die bis dahin florierende Liga. Doch seitdem geht es mit der NBA bergab, mit dem Zulauf der Teenager kam ein Einbruch im Spielniveau. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre sind die TV-Quoten um 42 Prozent gefallen, die Zuschauerzahlen bei den diesjährigen Finalspielen waren die niedrigsten seit zwanzig Jahren. Die Zahl der Hallenbesucher ist rückläufig, und all das schlägt sich im Engagement der Sponsoren nieder. Spencer Haywood, der vor über 30 Jahren mit seiner Klage die aktuelle Entwicklung erst ermöglichte, äußert heute Bedauern. „Diese Kinder verlassen heute zum Teil schon nach der neunten Klasse die Schule, spielen Basketball und verweigern eine bessere Ausbildung. Ich habe ein Monster geschaffen“, sagt Haywood. „Wenn ich Clarett einen Rat geben dürfte, dann würde ich ihm sagen, er solle das College beenden. Lasst Football jetzt nicht ebenso herunterkommen wie Basketball."

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