Sport : Zu konform

Stefan Hermanns

über den Imageverlust von Borussia Mönchengladbach Zu Zeiten, da Fußballvereine noch Fußballvereine waren und nichts als Fußballvereine, ist Borussia Mönchengladbach der Zeit bereits weit voraus gewesen. Borussia Mönchengladbach war schon eine Marke, als man bei diesem Ausdruck an Persil, Mercedes oder Maggi gedacht hat. Borussia Mönchengladbach war jung und dynamisch, sympathisch und erfolgreich, und dabei immer grundsolide. Die Trainer durften in aller Ruhe arbeiten, das Präsidium blieb mindestens zwei Ewigkeiten. Mit diesem Image wäre die Marke Borussia Mönchengladbach heute richtig erfolgreich.

Aber die Zeit ist über Borussia Mönchengladbach hinweggegangen, und im Lauf der Jahre ist aus Borussia Mönchengladbach ein ganz normaler Fußballverein geworden: Er kauft Spieler, die keine Bindung an den Klub haben, entlässt Trainer so schnell wie früher Eintracht Frankfurt, und am Ende der vorigen Saison haben sie auch noch ihre Heimat, den maroden, dafür unverwechselbaren Bökelberg, aufgegeben. Es sollte sich also niemand wundern, wenn man Borussia Mönchengladbach irgendwann nicht mehr wiedererkennt.

In der Sprache der Marketingexperten würde man sagen: Borussia Mönchengladbach hat seine Unique Selling Proposition, sein Alleinstellungsmerkmal, aufgegeben. Alles, was den Verein einmal ausgezeichnet hat, zählt nicht mehr. Früher haben der Klub und vor allem der langhaarige Günter Netzer ihre Nonkonformität gepflegt; heute sitzen die uniformierten Ersatzspieler im Klubanzug auf der Tribüne. Früher hat der Verein junge Spieler groß gemacht; vor dieser Saison hat er drei Über-30-Jährige geholt. In 24 Jahren Bundesliga haben die Gladbacher nicht einen einzigen Trainer entlassen. Holger Fach ist nun der Zehnte in den vergangenen 15 Jahren. Das Präsidium hat natürlich nur aus Sorge um den Verein gehandelt. Und aus Sorge um die Marke.

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