Sport : Zu kurz gesprungen

Armin Lehmann

wundert sich über die Dopingregeln im Pferdesport Die Schlagzeilen und Kommentare sind niederschmetternd. Nichts Geringeres als der größte Dopingskandal in der Geschichte der Reiterei drohe. Der Präsident des Deutschen Sport-Bundes, Manfred von Richthofen, ist entsetzt und spricht von einer „absoluten Katastrophe“. Haben die deutschen Reiter, in Athen noch so erfolgreich und mit vielen Medaillen belohnt, nun nach Bekanntwerden der positiven A-Proben ihrer Pferde jegliche Glaubwürdigkeit verloren? Sind wir – jetzt, wo in der Leichtathletik mal wieder über den Sprinttrainer Springstein und Dopingvorwürfe diskutiert wird – doch ein Land von dubiosen Sportlern?

Nun ja, vielleicht geht es auch eine Nummer kleiner. Doping bei Tieren ist zwar genauso abzulehnen wie bei den Menschen, nur liegen die Fakten hier ein wenig anders. Im Pferdesport gilt die so genannte Nulllösung. Egal, welche Substanzen im Körper des Pferdes gefunden werden und egal, mit welchen Grenzwerten – das Gefundene wird als Doping gewertet. Manche Institute, wie Paris, wo die aktuellen Befunde herstammen, finden mit modernsten Methoden sehr viel mehr als wiederum andere. Sportlern und Verantwortlichen ist das bekannt, aber genau deshalb herrscht seit Jahren in der Szene große Verwirrung darüber, wann man wie welche und wie viele Mittel einsetzen darf und welche davon nur der Gesundheit der Tiere dienen. Was nämlich im Wettkampf verboten ist, ist im Training erlaubt. Das spricht auch nicht für die Konsequenz und Logik der aktuellen Regeln des Weltverbandes.

Die Deutschen haben sich zwar äußerst naiv, blauäugig und ziemlich unprofessionell verhalten, schließlich war das Turnier in Athen nicht irgendein Wettkampf, sondern es waren die Olympischen Spiele. Allerdings ist es so, dass neben den deutschen Reitern auch Pferde anderer Nationen (Österreich, Irland) betroffen sind, was den Verdacht nahe legt, dass die Kriterien für Doping tatsächlich neu verfasst werden sollten: klarer, verständlicher, realitätsnäher. Dann diente dieser „Skandal“ dem Reitsport.

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