Sport : Zu langsam durch die Luft

Die deutschen Skispringer erleben bei der Vierschanzentournee ein Debakel

Benedikt Voigt[Innsbruck]

Das ist Peter Rohwein länger nicht mehr passiert. Elf Springer standen noch auf dem Turm über dem Innsbrucker Bergisel-Skistadion, doch der deutsche Bundestrainer hatte seine Arbeit an diesem Nachmittag erledigt. Rohwein rollte die schwarz-rot-goldene Fahne ein, mit der er seine Springer in die Anlaufspur winkt. Als die Entscheidung auf dem Bergisel fiel, standen seine Athleten längst unten. Die deutschen Skispringer haben beim dritten Springen der Vierschanzentournee ein Debakel erlebt: Georg Späth landete nach Sprüngen auf 124,5 und 126 Meter als bester Deutscher auf Rang 13. Michael Uhrmann, der auf einen Platz unter den besten drei gehofft hatte, musste mit Rang 24 vorlieb nehmen. Michael Neumayer belegte Rang 28. Alexander Herr und Maximilian Mechler konnten sich noch nicht einmal für den zweiten Durchgang der besten 30 qualifizieren. „Das ist nicht so einfach zu erklären“, sagte Rohwein, „es gibt immer mal so Tage, an denen du in einem Erdloch versinken möchtest.“ Bereits vor dem gestrigen Springen hatte er beschlossen, Martin Schmitt wegen seiner anhaltenden Leistungskrise nach Hause zu schicken.

Eine solche Maßnahme dürfte Lars Bystöl so bald nicht erleben. Der Norweger sicherte sich mit einem Sprung auf 129,5 Meter im zweiten Durchgang den Sieg. Es war sein erster großer Erfolg, bisher war über Bystöl in erster Linie bekannt, dass man ihn im Sommer 2003 in Oslo betrunken aus einem Hafenbecken gefischt hatte. Der gestrige Sieg dürfte sein Image etwas verbessern. Auf Rang zwei flog der Tscheche Jakub Janda, dem im zweiten Durchgang mit 133 Metern der spektakulärste Flug des Tages gelang.

Der Tscheche übernahm damit die Führung in der Gesamtwertung, da der Finne Janne Ahonen nur Sechster wurde. Beide trennen lediglich zwei Punkte, weshalb die Entscheidung um den Tourneesieg am Freitag in Bischofshofen (16.30 Uhr, live in RTL) fällt. Platz drei in Innsbruck belegte der Norweger Björn Einar Romören vor dem Österreicher Thomas Morgenstern. Der 19-Jährige hatte das Publikum mit seinem ersten Sprung auf 130 Meter regelrecht begeistert.

Die deutschen Springer dürften eher Albträume bekommen, wenn sie an Innsbruck zurückdenken. „Es ist eine Unsicherheit da“, sagte Rohwein. In der Gesamtwertung wird Georg Späth nun als bester Deutscher auf Rang acht notiert, Michael Uhrmann fiel auf Rang elf zurück. Rohwein machte die langsamen Geschwindigkeiten in der Anfahrt für die kurzen Sprünge verantwortlich. „Das Material hat heute nicht gepasst“, sagte er, „wir haben auf Neuschnee ein Riesenproblem.“ Im Schnitt fahren seine Springer gegenwärtig einen Stundenkilometer langsamer als die Konkurrenz. „Dieses Problem gibt es schon länger“, sagte Rohwein. Er schickt nun die Ski vor Bischofshofen zum Schleifen und hofft, damit das Geschwindigkeitsproblem beheben zu können. „Die Norweger haben das auch gemacht“, sagte Rohwein. Prompt glitten sie am schnellsten durch die Anlaufspur und belegten die Plätze eins, drei und fünf.

Rudi Tusch plädierte dafür, nicht alles in Frage zu stellen. „Es geht alles sehr schnell im Skispringen“, sagte der Technische Leiter der Abteilung Nordisch im Deutschen Skiverband. Die österreichischen Springer hätten in Innsbruck gezeigt, wie schnell man aus einer Krise wieder zurückkommen kann.Der Bundestrainer ergänzte: „Es muss nun in Bischofshofen unser Ziel sein, uns ordentlich zu verabschieden.“ Martin Schmitt aber wird dort nicht mehr dabei sein, seine Ergebnisse waren zu schlecht: Nach Platz 24 in Oberstdorf konnte sich der viermalige Weltmeister in Garmisch-Partenkirchen und Innsbruck noch nicht einmal für die besten 50 qualifizieren. Nun ist er vorzeitig abgereist. „Er soll weg von dem Stress kommen“, sagte Rohwein und hat bereits eine Idee: „Er soll jetzt Skifahren.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben