Sport : Zu langsam in der Lernkurve

Formel-1-Rückkehrer Schumacher fällt weiter zurück – der Druck auf ihn wächst

Karin Sturm[Suzuka]
Außerhalb des Wagens macht er noch eine gute Figur. Michael Schumacher erreicht unter reger Anteilnahme der örtlichen Bevölkerung die Rennstrecke von Suzuka. Foto: dpa
Außerhalb des Wagens macht er noch eine gute Figur. Michael Schumacher erreicht unter reger Anteilnahme der örtlichen Bevölkerung...Foto: dpa

Sein erster Formel-1-Teamchef Eddie Jordan sagt: „Es tut mir leid, aber ich würde ihn feuern. Er ist einfach nicht gut genug.“ Sein zweiter Teamchef Flavio Briatore stellt fest: „Manchmal tut er mir einfach nur leid. Er weiß, dass es ein Fehler war.“ Und selbst sein derzeitiger Teamchef Ross Brawn gibt zu: „Wenn er ein Neuling wäre, dann säße er nach seiner Leistung von diesem Jahr wohl nicht mehr im Mercedes.“ Aber es geht nicht um einen Neuling. Es geht um Michael Schumacher.

Die ernüchternden Darbietungen der zurückgekehrten Formel-1-Legende haben inzwischen eine derartige Regelmäßigkeit angenommen, dass längst nicht mehr über einen freiwilligen Wiederrückzug Schumachers spekuliert wird. Vor dem Großen Preis von Japan am Sonntag wird dafür offen darüber diskutiert, ob der 41-Jährige seinen Dreijahresvertrag für Mercedes überhaupt erfüllen darf.

Brawns Ausspruch lässt erste Rückschlüsse darauf zu, dass der große Weltstar Schumacher auch bei Mercedes nicht mehr als unantastbar gilt. Auch wenn der Teamchef gleich mit einem ganz großen „Aber“ abwiegelte: „Aber weil wir Michael kennen, wissen wir, dass da noch einiges kommen kann.“ Alle Hoffnung legen Brawn und Schumacher auf nächstes Jahr. „Dann werden wir 2011 wieder den wahren Michael sehen“, sagt Brawn. Es klingt schon fast wie ein Befehl.

Ob Schumacher den auch umsetzen kann, darüber fachsimpelt das Fahrerlager derzeit. Für seinen unterlegenen Mercedes kann er nichts, aber auch im internen Duell mit seinem Teamkollegen Nico Rosberg kann er derzeit keinen Boden gutmachen – im Gegenteil. In der ersten Saisonhälfte lag er in der Qualifikation pro Runde im Schnitt 0,15 Sekunden hinter Rosberg, in der zweiten waren es bisher 0,35 Sekunden. Von einer Steigerung, einem allmählichen Wiedereingewöhnen in der Comebacksaison, ist nichts zu sehen.

Als Erklärung dafür, dass er einfach nicht in Tritt kommt, bemüht der Superstar der Vergangenheit die diesjährigen Reifen. Brawn pflichtet ihm bei: „Er ist angewiesen auf einen starken Vorderreifen, der seinen harten Brems- und Einlenkmanövern und seinen hohen Kurvengeschwindigkeiten standhalten kann.“ Da die Vorderreifen in diesem Jahr nicht derart konstruiert seien, habe er eben seine Probleme, vor allem gegen Rosberg.

Von dieser Theorie will Nico Rosberg allerdings nichts wissen. „Es wird dies und jenes erklärt, aber das ist völliger Quatsch“, sagt er. „Ich komme überhaupt nicht gut zurecht mit den Vorderreifen. Ich glaube, Michael kommt da sogar viel besser zurecht.“ Schließlich kämen die größten Zeitunterschiede vor allem in den langsamen Kurven zustande, „und da spielt der Reifen die geringste Rolle“. Außerdem ist es normalerweise gerade die Stärke jedes Spitzenfahrers, sich auf veränderte Umstände einstellen und seinen Fahrstil anpassen zu können.

Ein weiterer Erklärungsansatz, den Schumacher bemüht, ist der angebliche Erfahrungsvorsprung, den Rosberg in den drei Jahren seiner eigenen Formel-1-Abstinenz aufgebaut habe. Das lässt Rosberg aber nicht gelten. „Michael hat 15 Jahre Formel-1-Erfahrung“, sagt der 24-Jährige. „Es hilft mir doch nicht, dass ich zum Beispiel schon mal mit anderen Bridgestone-Reifen gefahren bin. Denn die diesjährigen sind nun mal völlig anders.“ Aber woher rührt der große Vorsprung auf seinen prominenten Stallrivalen dann? „Nicht immer von ein und der selben Sache, das sind viele unterschiedliche Faktoren.“ Mehr will Rosberg dazu nicht sagen. Er kann sich ja auch schlecht hinstellen und erklären: Ich bin offensichtlich im Moment einfach besser.

Schumacher richtet den Blick nun auf 2011, auf den neuen Mercedes, auf die neuen Pirelli-Reifen und auf die Hoffnung, dass damit alles besser wird. „Deswegen haben wir doch auch von Anfang an von einem Drei-Jahres-Plan gesprochen“, sagt der siebenmalige Weltmeister. „Ich hoffe, dass ich im Laufe dieser Zeit die Früchte meiner Arbeit ernten kann.“ Und dann verweist er auf die einzige Biegung in der Formel 1, in der er sich momentan nicht mit irgendwelchen Reifenproblemen herumschlagen muss: „Wenn ich die Lernkurve sehe, dann macht mich das für nächstes Jahr sehr zuversichtlich.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben