Sport : Zu leicht für oben

Braunschweig unterliegt auch Stuttgart 0:4.

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Braunschweig - Selbst ihr Anführer, der sonst immer voller Leidenschaft an der Außenlinie schimpft, motiviert und gestikuliert, war in der Schlussphase abgetaucht. Dass Torsten Lieberknecht sich leicht grummelig und enttäuscht auf seine Trainerbank zurückgezogen hatte, ist überhaupt kein gutes Zeichen für Eintracht Braunschweig. „Ich bin heute ins Grübeln gekommen. Als Trainer versuchst du immer, Lösungen zu finden. Aber meine fruchten im Moment nicht“, sagte der Chefcoach einer Mannschaft, der es weiterhin schwerfällt, in der Bundesliga zu bestehen. Im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart kassierten die Niedersachsen eine 0:4 (0:1)-Niederlage.

Lieberknecht klang hinterher so konsterniert, als ob er im nächsten Moment seinen freiwilligen Rücktritt verkünden wolle.

Der Führungstreffer von Vedad Ibisevic in der 40. Minute hatte den Torreigen für die spielstarken Stuttgarter eröffnet und den Gastgeber früh demoralisiert. Die überragenden Alexandru Maxim und Ibrahima Traoré sowie Einwechselspieler Martin Harnik rundeten die Demütigung der Eintracht mit ihren Treffern ab. Der neue VfB-Trainer Thomas Schneider freute sich über eine zweite Halbzeit, in der die Dinge für sein Team „wie am Schnürchen“ gelaufen waren. Und sein Kapitän Christian Gentner versuchte, die beiden Wörtchen Champions und League bloß nicht zu verwenden. Während die Stuttgarter auf den sechsten Tabellenplatz geklettert sind, werden sich die Braunschweiger in den nächsten Tagen mit einer Trainerdiskussion befassen müssen, die der rührselig-ratlose Lieberknecht selbst eröffnet hat.

Mutig begonnen, wieder nicht in Führung gegangen, am Ende vorgeführt – aus der großen Sehnsucht, endlich den ersten Sieg im Oberhaus bejubeln zu können, wird allmählich eine große Last. Wie schon gegen den Hamburger SV und Borussia Mönchengladbach kassierten die Braunschweiger gleich vier Gegentreffer in einem Spiel. Es ist mangelnder Routine und Klasse zuzuschreiben, dass sich der Aufsteiger von einem cleveren Gast nach allen Regeln der Kunst austricksen ließ. Dem 0:1 von Ibisevic war ein Schubser des VfB-Torjägers gegen Eintracht-Verteidiger Ermin Bicakcic vorausgegangen. Das 0:2 hatte Torhüter Marjan Petkovic verschuldet, weil er einen eher harmlosen Distanzschuss abprallen ließ. „Es kann nicht sein, dass wir so viele Gegentore bekommen“, gab Bicakcic selbstkritisch zu und ließ den Kopf hängen.

Wenn es denn einen Trost für den Serien-Verlierer gibt, dann durch den Rückhalt im eigenen Fanlager. Eintracht Braunschweig wird zwar immer wieder mit Vorwürfen konfrontiert, dass ein Teil seines Anhangs rechtsradikales Gedankengut pflegt. Die Mehrheit der Anhänger weiß aber, wie man feiert und die eigene Mannschaft unterstützt. „Das ist unglaublich. Wir müssen unbedingt versuchen, das auf dem Feld zurückzugeben“, sagte Bicakcic nach nicht enden wollenden Sprechchören und Aufmunterungen für den chancenlosen Verlierer. Christian Otto

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