Sport : Zu lieb, zu nett

Bei Union soll es gegen VfB Lübeck heute endlich krachen

Karsten Doneck

Berlin. Heiner Bertram verspürt nicht im Geringsten Lust, alle naselang der Mannschaft eine Rede zu halten. „Das würde sich sehr schnell abschleifen, der nächste Termin dafür sollte eigentlich erst zur Weihnachtsfeier sein“, sagt er. Doch außergewöhnliche Umstände erfordern mitunter ein Umdenken. Der Fußball-Zweitligist 1. FC Union hängt am Tabellenende – da kann es nicht schaden, wenn der Präsident mal ein paar mahnende Worte zum Besten gibt.

Also trat Bertram Anfang der Woche vor die Spieler. Eine Brandrede wurde es indes nicht. „Man kann die Spieler doch jetzt nicht in Sack und Asche reden“, sagt er, mahnt aber mehr Disziplin an: „Einigen unserer Spieler scheinen Nebensächlichkeiten wichtiger zu sein. Es kann nicht sein, dass sich ein Spieler öffentlich darüber aufregt, wenn ich mal im Kabinengang sage, das sei ein schlechtes Spiel gewesen. Nur solche Dinge habe ich bei meiner Ansprache gerade gerückt.“

Kein richtiger Krisengipfel also, kein gegenseitiges Zerfleischen. Ob diese Präsidentenrede sportlich die gewünschte Wirkung bringt, lässt sich heute beobachten, wenn Union den VfB Lübeck empfängt (19 Uhr, Stadion an der Alten Försterei). „Wir dürfen nicht in akute Abstiegsgefahr kommen. Da gibt es eine Linie, die nicht überschritten werden darf“, warnt Bertram. Der Präsident hat schon mal darauf hingewiesen, dass unter den augenblicklichen Voraussetzungen mit dem maroden Stadion in der Wuhlheide Zweitligafußball nicht mehr lange finanzierbar ist.

Woher soll dann erst das Geld kommen, um bei einem eventuellen Abstieg mit einer konkurrenzfähigen Mannschaft in der Regionalliga zu starten? „Das muss unter jeglichem Einsatz verhindert werden. Wir sind völlig anders gebettet als zum Beispiel Eintracht Braunschweig. Bei uns ist schon der Aufstieg nur unter größtem finanziellen Aufwand geschafft worden. Wir hatten ja in der Regionalliga fast schon einen Zweitliga-Etat“, sagt Heiner Bertram.

Der 1. FC Union hält die derzeitige Mannschaft für stark genug, sich aus dem Dilemma zu befreien. „Es sind immer nur Kleinigkeiten, die uns zum Erfolg fehlen. Da muss es einfach mal klick machen“, sagt Trainer Mirko Votava, der sich nach wie vor der Rückendeckung durch das Präsidium gewiss sein kann. Und was muss sich sonst noch ändern? Votava sagt: „Wir sind manchmal einfach noch zu nett, zu lieb. Es müsste vielleicht öfter mal richtig krachen.“

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