Sport : Zu schnell für den Weltmeister

Seit Sonntag ist Juan Pablo Montoya der härteste Rivale von Michael Schumacher

Frank Bachner

Hockenheim . Mario Theissen stützte sich ans Treppengeländer vor dem Motorhome von BMW-Williams und transportierte so etwas wie Betroffenheit. „Mir tut Ralf Leid“, sagt der Motordirektor von BMW. „Es ist schade, dass er nicht ins Ziel gekommen ist.“ Ralf Schumacher hat am Sonntag den großen Startunfall beim Großen Preis von Deutschland auf dem Hockenheimring verursacht. Damit ist er vermutlich aus dem Rennen um die Formel-1-Weltmeisterschaft. Theissen war dennoch nicht traurig. Denn die Rolle des großen Favoriten besetzt jetzt sein Teamkollege Juan Pablo Montoya.

Nicht bloß, weil der nur noch sechs Punkte hinter Titelverteidiger Michael Schumacher liegt (bei Ralf Schumacher sind es 18). Montoya fährt zurzeit das beste Auto. Zeitweise fuhr er innerhalb einer Runde eine Sekunde schneller als Michael Schumacher in seinem Ferrari. Montoya spielte nicht bloß die Überlegenheit seiner Michelin-Reifen gegen die Bridgestone-Reifen von Ferrari aus. Eine Sekunde Vorsprung in einer Runde auf dem Hockenheimring bedeutet für Ingenieure, dass so ein Auto 40 PS mehr Motorleistung hat als der Konkurrent – das ist in der Formel 1 ein phänomenaler Wert. „Ich habe ja schon längere Zeit gesagt, dass ich die Williams mehr fürchte als die McLaren. Den Speed von Montoya konnte ich nicht mitgehen“, sagte Michael Schumacher

Der nächste Grand Prix in Ungarn verheißt Ferrari auch nur wenig Hoffnung. In Ungarn sah BMW-Williams in den letzten Jahren immer schlecht aus, die Besonderheiten der Strecke liegen den Fahrzeugen nicht. Aber in diesem Jahr dürfte gerade ihre überragende Motorleistung den BMW-Williams und mithin in erster Linie Montoya entgegenkommen. „In Ungarn benötigt man relativ viel Abtrieb, also Haftung auf der Strecke. Das schaffe ich aber nur, wenn ich mit einem stärkeren Motor mehr Abtrieb erzeugen kann“, sagt ein Formel-1-Ingenieur. Und da BMW-Williams mehr Motorleistung besitzt als der Ferrari, haften die Boliden von Ralf Schumacher und Juan Pablo Montoya auch besser. Und können damit in den Kurven schneller gefahren werden.

Bei Ferrari kommt seit Hockenheim zudem noch ein gravierendes Problem hinzu: Die Bridgestone-Reifen haben bei hohen Temperaturen ihr Limit überschritten. Sie gehen kaputt. Zweimal innerhalb von zwei Tagen der gleiche Reifenschaden bei Michael Schumacher, das ist ein Alarmsignal. „Vor vielen Jahren haben wir so etwas bei Michelin erlebt, deshalb waren wir jetzt doch überrascht, dass es uns jetzt bei Bridgestone passiert“, sagt Michael Schumacher. Und wenn er an Ungarn denkt, „dann stimmt mich die Geschichte mit den Reifen nicht gerade optimistisch“. Bridgestone muss schnellstens neue, belastbarere Reifen liefern, sonst droht das nächste Debakel. Denn in Ungarn wird es vermutlich ähnlich heiß sein wie in Hockenheim. Die Michelin-Reifen sind weitaus belastbarer.

Wenn Bridgestone nicht bessere Reifen liefert, dann hilft es Ferrari auch nichts, wenn es die Motorleistung steigert. Denn die Reifen halten dieser höheren Leistung nicht stand. „Das ist, als ob man auf vier Holzpfähle ein Penthouse setzen wollte, da bricht auch alles zusammen“, sagt der Ingenieur. Ohne bessere Reifen hilft es Michael Schumacher wenig, dass etwa die Strecke in Kanada klassisch auf Ferrari zugeschnitten ist. Im Moment spricht also vieles für Montoya. Bei BMW-Williams gibt es zwar keine Stallorder, aber sollte Ralf Schumacher nach Ungarn in der Gesamtwertung zu weit abgeschlagen sein, dann dürfte BMW-Williams seinem Dauerrivalen Montoya das besser abgestimmte Auto zur Verfügung stellen. Dem Team ist es schließlich egal, welcher Fahrer Weltmeister wird. Hauptsache einer von BMW-Williams.

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