Sport : Zu seinem Nutzen

Stefan Hermanns

über Marcelinhos besondere Stellung bei Hertha BSC Fußball-Mannschaften sind sehr seltsame Gefüge. Sie bestehen aus elf Individuen, die sich alle einem gemeinsamen Ziel unterzuordnen haben. Die heikle Frage ist, wie viel Eigensinn möglich und nötig ist, um zum größten gemeinsamen Erfolg zu gelangen. Oder auch: Wie viel Asozialität verträgt das soziale Gebilde Fußball-Mannschaft? Respektive im konkreten Fall: Wie viel Marcelinho erträgt Hertha BSC?

Seitdem der Brasilianer bei den Berlinern unter Vertrag steht, spielt er sein Spiel und lebt sein eigenes Ego. Meistens hat Hertha davon profitiert. Was Marcelinho aber offenbar noch immer nicht begriffen hat: Es gibt einen unausgesprochenen Vertrag zwischen ihm und dem Rest der Mannschaft. Solange sie von seinen außerordentlichen Fähigkeiten profitiert, erträgt sie – mal mehr, mal weniger – seine Schrullen und Extravaganzen, sein Fehlen beim Training am Sonntag, die diversen Privilegien, sogar die Ausflüge ins Nachtleben zu den unpassendsten Zeiten.

Marcelinhos Verhalten am Sonntag aber, seine Tätlichkeit gegen den eigenen Mitspieler, hat eine Qualität erreicht, die durch den Gesellschaftsvertrag nicht mehr gedeckt ist – egal wie wichtig der Brasilianer für den Erfolg ist und wie oft er das Hertha-Wappen auf seinem Trikot küsst. In Dortmund hat Marcelinho gezeigt, dass er seinen eigenen Nutzen über den der Mannschaft stellt, dass er durch die Mannschaft auch nicht mehr zu disziplinieren ist. Das ist nicht die Schuld der Mannschaft. Das ist die Schuld derjenigen, die Marcelinho immer wieder das Gefühl gegeben haben, dass er keine ernsten Konsequenzen zu fürchten hat.

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