Sport : Zu spät gefreut

Die Aufholjagd der Eisbären nützt nichts – sie scheitern 3:4 am neuen Deutschen Meister Frankfurt Lions

Claus Vetter

Frankfurt (Main). In Frankfurt kannte der Jubel gestern Abend keine Grenzen. In der hoffnungslos überfüllten Eissporthalle am Bornheimer Hang und auch in der Innenstadt, wo 10 000 Menschen in der Fußgängerzone vor einer riesigen Leinwand das wichtigste Eishockeyspiel in der Geschichte der Stadt am Main verfolgten: Der Deutsche Eishockey-Meister kommt jetzt aus Frankfurt. Vor 7000 Zuschauern besiegten die Lions gestern die Eisbären 4:3 (1:0, 2:1, 1:2). Zu mehr als einer Nebenrolle reichte es für die Berliner inmitten der Frankfurter Festivitäten gestern nur in den letzten Minuten des Spiels. Die Hessen gewannen daher die nach dem Modus „Best of five“ gespielte Finalserie verdient mit 3:1-Siegen.

Als Frankfurts Kapitän Paul Stanton gegen 22 Uhr den Meisterschaftspokal überreicht bekam, schauten die Verlierer mit hängenden Köpfen zu. Es war erstaunlich, wie sich die Eisbären zumindest in den ersten beiden Dritteln ihrem Schicksal ergeben hatten. Es hatte nur neun Minuten gedauert, bis ihre Nervosität bestraft worden war. Nach einem katastrophalen Fehler von Kapitän Ricard Persson hatte Patrick Lebeau den Berliner Torwart Rich Parent überwunden.

Der Kanadier war ohne Abwehrchance bei dem Schuss ins linke Toreck. Dabei hatte der Torwart sein unsicheres Team mit seiner Sicherheit in den Anfangsminuten gerettet. Auch nach dem ersten Frankfurter Treffer blieb Parent in Bewegung, parierte vieles. Auf der anderen Seite der Eisfläche verlebte Ian Gordon zunächst einen ruhigen Abend. Wenn die Eisbären schon einmal im Drittel der Frankfurter waren, dann spielten sie zumeist harmlos.

Die Berliner hatten Glück, dass den Hessen bis zur 30. Minute kein weiterer Treffer gelang. Dann allerdings nahm das Dilemma für die Eisbären deutlichere Konturen an. Dwayne Norris erzielte das 2:0 für Frankfurt, nach einem Missverständnis zwischen Eisbären-Stürmer Kelly Fairchild und Parent stand es nur eine Minute später schon 3:0 für die Lions: David Gosselin hatte mit seinem Tor die Frankfurter Meisterfeier vorzeitig eröffnet – so schien es jedenfalls. Steve Walkers Anschlusstreffer kurz vor Ende des zweiten Drittels störte nämlich kaum jemand – die Frankfurter Fans hatten sich längst von ihrem Sitzen erhoben, um dem neuen Deutschen Meister zu applaudieren. Für den traf dann Mike Harder im letzten Abschnitt noch zum 4:1.

Dann aber wehrten sich die Berliner doch noch: Alexander Barta erzielte das 2:4, David Roberts traf acht Minuten vor dem Ende sogar zum 3:4. Die Schlussphase passte überhaupt nicht zum Rest des Spiels: Die Berliner waren den Frankfurtern plötzlich deutlich überlegen. Zu einem Tor reichte es aber nicht mehr – Frankfurt rettete sich über die Spielzeit und zur Meisterschaft.

Der letzte Verlierer der Saison ist zugleich der tragischste: 42 Spieltage waren die Eisbären Tabellenführer, ihre ersten acht Play-off-Spiele hatten sie allesamt gewonnen. Darunter war auch das 5:2 im ersten Finalspiel gegen Frankfurt. Im entscheidenden Moment, und das waren die letzten drei Spiele der Saison, aber haben die Berliner Nerven gezeigt. Zum großen Wurf scheinen die Eisbären nicht in der Lage. Es wird ihnen auch kein Trost sein, dass sie im vergangenen Jahr schon im Halbfinale an den Krefeld Pinguinen gescheitert waren.

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