Zu starr und zu müde : Bernd Schröder kritisiert Silvia Neids Taktik

Bernd Schröder, Trainer von Turbine Potsdam, kritisiert das starre Spielsystem von Bundestrainerin Silvia Neid - zurücktreten soll sie aber nicht.

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Wir müssen nach dem Ausscheiden jetzt vorsichtig sein und dürfen nicht alle in Sack und Asche gehen. Es stimmt nicht, dass der deutsche Frauenfußball schwach ist. Aber wir haben uns in den letzten Wochen im Frauenfußball zu viel mit uns selber beschäftigt. Wenn ich die Geister der Öffentlichkeit rufe, muss ich auch die Spirale betrachten, die mich nach oben trägt. Das Hochjubeln von Lira Bajramaj, das Theater um Birgit Prinz, das alles hat uns geschadet. Wir haben an der Last der Verantwortung, den WM-Titel holen zu müssen, sehr schwer getragen. Einige haben ja schon gesagt, der dritte Platz bei der WM ist nur für die Männer. Da brauchen wir uns nicht wundern, wenn jetzt die Leute kommen, die uns nicht wohlgesonnen sind, und auf uns draufhauen.

Auch Bundestrainerin Silvia Neid steht jetzt in der Kritik, aber ich bin nicht der Meinung, dass sie zurücktreten müsste. Das wäre mir zu einfach, da steht ja ein ganzes Team hinter ihr. Es ist bekannt, dass ich Frau Neid nicht jeden Tag in mein Abendgebet miteinschließe, aber der Nationaltrainerin die ganze Schuld zu geben, das wäre mir zu einfach. Doch es war vom DFB auch nicht erforderlich, ihren Vertrag vor der WM ohne Not bis 2016 zu verlängern.

Ich finde, dass das System, das sie spielen lässt, zu starr ist. Es ist bekannt, dass die Nationalmannschaft immer mit einer Spitze spielt, aber wenn es mal nicht läuft wie am Samstag, kann man es auch mal mit einer zweiten Stürmerin versuchen. Auch hätte sie das Problem mit Birgit Prinz vor der WM lösen müssen. Und nicht während des Turniers. So etwas belastet die Mannschaft, das sind die Nuancen, die ein Spiel entscheiden können.

Die drei Monate Vorbereitung waren auch nicht optimal. Wenn Mannschaften wie Japan und Schweden, die beide eine sehr kurze Vorbereitung hatten, im Halbfinale stehen, dann haben wir etwas falsch gemacht. Gestern waren eigentlich alle platt – bis auf meine beiden, Bianca Schmidt und Babett Peter. Von Simone Laudehr und Inka Grings habe ich am Ende gar nichts mehr gesehen, man muss froh sein, dass die Innenverteidigerinnen nicht mehr Druck bekommen haben. Und beim Gegentreffer kommt noch ein Torwartfehler von Nadine Angerer hinzu.

Man darf allerdings auch nicht unterschätzen, dass eine Spielerin wie Kim Kulig frühzeitig ausgefallen ist, das wirkt sich psychologisch auf die anderen Spielerinnen aus. Und es hilft auch nicht, wenn man die Standardsituationen immer nach dem gleichen Muster ausführt.

Das Schlimmste an der Niederlage gegen Japan aber ist, dass wir jetzt auch die Olympischen Spiele 2012 in London verpasst haben. Das ärgert mich eigentlich am meisten.

An dieser Stelle wechseln sich Turbine Potsdams Coach Bernd Schröder, DFB-Jugendtrainerin Anouschka Bernhard, der Schriftsteller Moritz Rinke und der langjährige Bundestrainer Gero Bisanz ab.

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