Sport : „Zu viel Aspirin gegessen“

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Es sind keine guten Nachrichten, die aus dem Rest der Welt nach Seogwipo, Südkorea, dringen. Stumpfsinnig sei der Aufritt der deutschen Mannschaft gegen Paraguay gewesen, Holzschuh-Fußball habe sie gespielt, schreibt die internationale Presse. Das ist nicht gerade schmeichelhaft.

Bei Rudi Völler haben die Kommentare offensichtlich Wirkung hinterlassen. Der Teamchef redete sich am Montag in Rage und beleidigte dabei unter anderem Südkoreas Nationalhelden Bum-Kun Cha. Der frühere Bundesligaspieler (Darmstadt, Frankfurt, Leverkusen) ist immerhin „Fußballer des Jahrhunderts“ in Asien. Egal, sagt Völler, „wir dürfen uns einfach nicht davon beeinflussen lassen, wenn irgendein bekloppter englischer Journalist sagt, es sei ein Scheißspiel gewesen oder der bekloppte Bum-Kun Cha sagt, es sei das schlechteste Spiel gewesen, das er je von der deutschen Mannschaft gesehen habe. Dann muss ich sagen, Cha Bum hat zu viel Aspirin gegessen, als er damals bei Bayer Leverkusen gespielt hat.“

So hat es der gereizte Teamchef dem Fernsehsender Sat 1 erzählt. Später relativierte Rudi Völler seine Aussagen: „Gerade, weil ich zu Bum-Kun Cha ein sehr gutes Verhältnis habe, habe ich diesen lockeren Spruch gemacht. Er war als Gag gedacht, ich wollte ihn nicht beleidigen“, meinte der deutsche Teamchef.

Beim Grundtenor seines Rundumschlages aber blieb er. „Es gibt ein paar Ex-Kicker, auch welche, mit denen ich noch gespielt habe, die ein paar blöde Kommentare geben. Da muss ich sagen: ein paar Kopfbälle zu viel gemacht in der Karriere“, polterte der Teamchef. Die ehemaligen Fußballer, das sind die ehemaligen Nationalspieler wie Günter Netzer, Hannes Löhr, Klaus Fischer oder Paul Breitner, die die deutsche Mannschaft zuletzt trotz des Einzugs ins Viertelfinale hart kritisiert hatten. Schon vor der Weltmeisterschaft hatte er den ARD-Kommentator Günter Netzer wegen dessen Kritik öffentlich abgekanzelt: „Der muss noch sehr viel lernen.“

Seit dem Beginn des WM-Turniers sehen sich Völler und sein Team dem Vorwurf ausgesetzt, dass von ihnen in Japan und Korea nicht viel zu erwarten sei. Insgeheim ärgert sie das, aber das würden sie niemals zugeben. Völler sagt, es habe keiner davon ausgehen können, „dass wir locker hier hinfahren und jeden Gegner an die Wand spielen". Das stimmt. Immerhin hat die Mannschaft mit dem Einzug ins Viertelfinale zumindest die Heimat wieder auf ihre Seite gezogen. Mit dem Rest der Welt hingegen könnte es schwierig werden. Eine große Liebe wird das nicht mehr werden, aber die Deutschen finden, dass ihnen wenigstens ein bisschen Respekt zusteht. So wie früher eben.

Rudi Völler hat daran erinnert, dass bei vielen Turnieren nicht die beste Mannschaft den Titel geholt hat. „Sonst wären die Brasilianer doch schon vierzehn Mal Weltmeister geworden.“ Die Deutschen können also noch hoffen. Der Rest der Welt muss weiter bangen. Stefan Hermanns

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