Sport : Zu viel Calmund

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Michael Rosentritt über den schönsten Rollentausch der Bundesliga

Der ehemalige Nationalspieler und PR-Manager des VfB Stuttgart, Hansi Müller, hat im vergangenen Sommer folgende Prognose abgegeben. „Das Ziel des VfB kann in dieser Saison nur gesichertes Mittelfeld heißen. Dazu muss die Mannschaft versuchen, sich so früh wie möglich von den unteren Rängen abzusetzen, damit die jungen Spieler nicht durch Abstiegsangst blockiert werden.“ Und Leverkusens brasilianischer Nationalspieler, Zé Roberto, der vor acht Monaten zum FC Bayern wechselte, prognostizierte: „Ich denke, Bayer wird oben mitspielen.“

Entweder haben Müller und Zé Roberto keine Ahnung vom Fußball, oder aber irgendetwas ist da schief gelaufen in dieser Saison.

Da, also am oberen Ende der Tabelle, wo in aller Regelmäßigkeit Bayer Leverkusen zu finden war, steht jetzt der VfB Stuttgart. Viermal war Leverkusen in den vergangenen sechs Jahren Meisterschaftszweiter geworden. Da steht jetzt der VfB. Sechs Spiele vor dem Saisonende haben die Schwaben vier Punkte Vorsprung auf den Dritten Borussia Dortmund. Derweil taumelt der ewige Vize der Zweiten Liga entgegen, was vor Saisonbeginn am ehesten noch den Schwaben zuzutrauen gewesen war. Im direkten Duell beider Mannschaften am vergangenen Sonnabend kam es einem so vor, als hätten beide Mannschaften einfach die Trikots getauscht. Mit welcher Leichtigkeit der VfB das einst so spielstarke Team aus Leverkusen vorführte, hatte bayereske Züge. Stuttgart spielt nicht nur erfolgreich, sondern auch noch richtig schön. Ganz so, wie Bayer es vor einem Jahr tat. Lange ist es her…

Oder war der Rollentausch vielleicht doch nicht so überraschend? Auf der einen Seite das Team aus Leverkusen, das sich zu sehr auf das viele Geld und Chefeinkäufer Reiner Calmund verlassen hat. Auf der anderen Seite das Team, dem der frühere Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder einen millionenschweren Schuldenberg hinterlassen hatte. Schön, die Bayern, die noch mehr Geld und den besseren Einkäufer haben, nahmen Bayer Zé Roberto und Ballack weg. Calmund ging daraufhin für 26 Millionen Euro einkaufen – Juan, Franca, Balitsch, Bierofka, Simak und Preuß. Dem VfB blieb der Nachwuchs – Hildebrand, Hinkel, Hleb, Tiffert und Kuranyi. Eine glückliche Fügung. Ist also diesmal das nicht vorhandene Geld schuld? Kann man sich am Ende gar zum Erfolg sparen?

In dieser Angelegenheit ist den Schwaben vieles zuzutrauen. Der VfB Stuttgart hat schon lange keinen Calmund, keinen Manager mehr. Und Beistand in Form eines Jürgen „Fußballgott“ Kohler erst recht nicht.

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