Sport : Zu viel Defensive

Manchester United verliert das Derby gegen City und damit das vorentscheidene Spiel um den Titel.

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Und United geht ehrfürchtig zur Seite. Der frühere Hamburger Vincent Kompany (Mitte) erzielte kurz vor der Pause den Siegtreffer für Manchester City. Foto: dpa
Und United geht ehrfürchtig zur Seite. Der frühere Hamburger Vincent Kompany (Mitte) erzielte kurz vor der Pause den Siegtreffer...Foto: dpa

„Vive la Belgique!“, rief Kapitän Vincent Kompany und nahm einen vorlauten Eindringling ins Schlepptau. Liam Gallagher, der frühere Oasis-Sänger und Hardcore-City-Fan, hatte nach dem 1:0 (1:0)- Sieg im Derby gegen Manchester United das Pressezimmer gestürmt und es sich auf Roberto Mancinis Platz bequem gemacht. „Tabellenführer! Was wollt ihr wissen, Jungs?“, fragte der 39-Jährige die staunenden Reporter, bevor er dem City-Trainer huldigte („Ich liebe ihn. Er ist so cool. Fast so cool wie ich“) und Uniteds Boss Alex Ferguson verspottete. „Zu viel Whiskey“, sagte Gallagher in Anspielung auf eine beinahe handgreifliche Seitenlinien-Konfrontation, bei der sich beide Trainer gestenreich vorgeworfen hatten, zu viel mit dem vierten Offiziellen zu reden. Später schickte Gallagher via Twitter ein Foto von sich und Diego Maradona, der in seiner Funktion als Schwiegervater von Citys Stürmer Sergio Agüero auf der Tribüne mitgefeiert hatte.

Der knappe Triumph in dem gegen Ende sehr bewegten, qualitativ aber dürftigen Duell mit den Lokalrivalen war weit mehr wert als nur drei Punkte und die Führung in der Tabelle. Zuschauer und Beteiligte erlebten, vor Aufregung schreiend, einen Akt des fußballerischen Exorzismus. City, jener Verein, der durch sein Faible für selbstverschuldete Desaster bekannt geworden ist, spielte besser, mutiger, effizienter als die ganz auf ein Unentschieden fixierten Gäste und beraubte United so seiner Aura. Dass Fergusons titelkampferprobte, in kritischen Phasen stets verlässliche Mannschaft in einem Monat acht Punkte Vorsprung an die neureichen Rivalen verlieren könnte, hatten nicht einmal City-Extrem-Fans vom Schlage Gallaghers für möglich gehalten.

Fergusons Gefühlsausbruch an der Seitenlinie Mitte der zweiten Hälfte, nachdem City-Mittelfeldspieler Nigel de Jong seinen Gegenspieler Danny Wellbeck rüde von den Beinen geholt hatte, war ein untrügerisches Indiz für die Frustration des Schotten. „Wir haben viel zu wenig gemacht“, sagte er hinterher ungläubig, dabei war er an der Passivität seiner Elf nicht ganz unschuldig gewesen. Ferguson hatte das Team mit jenem 4-5-1-System ins Rennen geschickt, mit dem man sonst nur zu Auswärtsspielen bei europäischen Spitzenmannschaften reist. „Wir wollten gewinnen, sie nur einen Punkt. Das war der Unterschied“, sagte Mancini. Mit seiner Taktik verriet Ferguson dem Gegner nicht nur seine Gesinnung, er entmutigte auch die eigenen Spieler. „Wir sind United. Wir können nur versuchen zu gewinnen“, hatte Routinier Ryan Giggs vorher gesagt. Der Waliser behielt unfreiwillig recht: Sein Team konnte sich zu keinem Zeitpunkt aus dem eigenen Mittelmaß befreien. Wayne Rooney verkümmerte alleingelassen in der City- Hälfte, es gelang nicht ein zielgerichteter Schuss auf das Tor von Joe Hart. So schlecht war man, rein statistisch gesehen, seit drei Jahren nicht. Beim Schlusspfiff wirkten Uniteds Spieler selbst verwundert über die eigene Unwucht. „Sie standen da und wussten nicht, wo sie hin sollten, so wie Autoinsassen am Fahrbahnrand nach einem Unfall“, schrieb der „Guardian“.

Dramatisch war es, unendlich intensiv natürlich, als Spektakel aber japste das zerfahrene Match 90 Minuten lang vergeblich den Superlativen der Vorberichterstattung hinterher. City entwickelte, angetrieben von Yaya Tourés Urkraft und den wuseligen Quälgeistern Agüero, Carlos Tevez und David Silva weitaus mehr Gefahr, brauchte für den einzigen Treffer bezeichnenderweise aber eine schnöde Ecke. Uniteds Verteidiger Chris Smalling hatte Kompany aus den Augen verloren.

„Sie sitzen jetzt am Steuer”, sagte Ferguson. Zwei Spieltage vor Saisonende deutet vieles auf den ersten Meistertitel für City seit 44 Jahren hin, auch wenn Mancini beteuerte, United sei wegen des leichteren Restprogramms (zu Hause gegen Swansea, auswärts bei Sunderland) weiter Favorit. Aber wahrscheinlich nahm er sich das selbst nicht ab.

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