Sport : Zu viel im Kopf

Albas Spielmacher DaShaun Wood zeigte zuletzt schwache Leistungen. Er will sich jetzt weniger vornehmen, auch heute gegen Bayreuth.

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Unter Stress. DaShaun Wood kämpft mit den Erwartungen. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Unter Stress. DaShaun Wood kämpft mit den Erwartungen. Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Berlin - DaShaun Wood hat wieder die Kraft, zuzuschlagen. Mit der Handkante haut der Basketballer entschlossen auf die Innenfläche der anderen Hand. „Ich werde im zweiten Halbjahr besser spielen als im ersten“, verspricht der Spielmacher von Alba Berlin. Hätte er nur von den vergangenen zwei Wochen gesprochen, wäre eine Steigerung kein schwieriges Unterfangen gewesen. 6,3 Punkte erzielte er im Schnitt in den vergangenen vier Spielen, zuletzt gegen Göttingen war es sogar nur ein Zähler. In den zwölf Bundesligaspielen zuvor war Albas Topscorer noch für 15,8 Punkte gut.

Während sich die Berliner mit Siegen gegen die Aufbaugegner Ludwigsburg und Göttingen aus einem drei Niederlagen tiefen Tal herausgearbeitet haben, gingen Woods Leistungen weiter bergab. Die Müdigkeit nach fünf Spielen in 13 Tagen war vor allem dem Kapitän und Kopf des Teams anzumerken. Mit knapp 31 Minuten pro Spiel ist er fünf Minuten länger im Einsatz als der am zweitmeisten beanspruchte Mitspieler, sein amerikanischer Landsmann Kyle Weaver.

Gut für Wood, dass vor dem Auswärtsspiel heute in Bayreuth (20 Uhr, live bei Sport1 und im Internet unter www.beko-bbl.de) Wellness angesagt war. Am Dienstag ging es sogar in die Sauna. „Ich konnte in den Augen der Spieler sehen, dass es ihnen gut getan hat, zwei Tage einmal nicht an Basketball zu denken“, sagt Trainer Gordon Herbert. Speziell seinem Star. „DaShaun war ausgelaugt, ich gebe mir selbst Schuld, ihn so viel spielen gelassen zu haben“, sagt der Kanadier. Wegen des kleines Kaders und der exponierten Rolle, die Wood in seinen Plänen spielt, bleibt dem Trainer kaum eine Wahl. Dazu kamen Dinge abseits des Feldes, die Stress brachten. „Er ist zum ersten Mal im Ausland Kapitän und Anführer, er gibt so viel, dass er fast zusammenbricht.“

Das will der Stirnbandsammler aus Detroit, dem die freien Tage gut getan haben, künftig nicht mehr. „Ich hatte mehr Druck“, sagt DaShaun Wood. „Ich habe mich auf so viele Dinge konzentriert: dass alle im Team glücklich sind, dass wir gewinnen, dass ich gut spiele und andere ins Spiel bringe.“ Seine oft Führungsansprüche formulierende Stimme kiekst stimmbruchartig nach oben. Dazu hemmt ihn eine Ehre. „Ich wollte zu sehr zeigen, dass ich den MVP–Titel verdient habe“, sagt der 26-Jährige, der vergangene Saison zum wertvollsten Spieler der Bundesliga gewählt wurde. Die vielen Erwartungen von außen und innen hätten ihm teilweise die Aggressivität genommen.

Aber Alba braucht Woods aggressive Art, zum Korb zu gehen. Herbert nennt die Spielweise „drive and kick“. Ein Spieler zieht zum Korb und die Verteidiger auf sich. Dann passt er zum freien Mann. Doch außer Wood vermag es kaum jemand im Team, mit Dribblings Lücken in gegnerische Abwehrreihen zu reißen. „Wir wollen den Ball bewegen und attackieren“, sagt Herbert. „Wir haben uns zu oft mit dem Sprungwurf zufrieden gegeben.“ Doch ein Basketball-Motto besagt: Du lebst und stirbst mit dem Sprungwurf. Mal sitzen die statischen Würfe aus der mittleren und langen Distanz, mal nicht.

DaShaun Wood weiß, wie er dazu beitragen kann, das zu ändern. „Indem ich weniger ändere“, sagt er. Das heißt: sich mehr auf das eigene Spiel zu konzentrieren, sich nicht für alles verantwortlich zu fühlen. Manchmal ist weniger eben mehr.

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