Sport : „Zu viel Lob schadet dem Favoriten“

Sportpsychologe Mickler über den Einfluss der Rhetorik im Eishockey

-

WERNER MICKLER (50)

ist Sportpsychologe an der Sporthochschule Köln. Er arbeitet in der Trainerausbildung und kümmert sich um junge Athleten.

Foto: R/D

Herr Mickler, Eisbären-Trainer Pierre Pagé sagt, dass sich seine Spieler zu viel mit ihrem Bild in der Öffentlichkeit beschäftigen …

Das ist typisch für einen Trainer, dass er so was sagt. Pagé weiß um den medialen Einfluss im Sport. Zu viel Lob kann dem Favoriten schaden. Als Außenseiter dagegen kann ich meine Spieler über die Presse besonders gut beeinflussen. Ich kann den Gegner überhöhen, bei meinem Team eine Trotzreaktion erwirken, unter dem Motto: Jetzt zeigen wir dem Trainer, dass wir es auch können.

Der Halbfinalgegner der Eisbären spricht aber von seiner Chance.

Ingolstadts Trainer versucht, seiner Mannschaft so Selbstbewusstsein einzureden. Das kann funktionieren, kann bei einer Niederlage aber zum Bumerang werden, weil ich als Spieler oder Trainer immer mit dem konfrontiert werde, was ich vorher gesagt habe und dann in ein Loch zu fallen drohe.

Welche Rolle spielt die Rhetorik im Vorfeld?

Rhetorik ist ein Mosaikstein auf dem Weg zum Sieg. Das sollte man nicht überbewerten, aber auch nicht vergessen.

Das Gespräch führte Claus Vetter.

0 Kommentare

Neuester Kommentar