Sport : Zu viel zaudern und zaubern

Die Eisbären verlieren das dritte Halbfinalspiel 1:3 gegen Straubing und handeln sich eine weitere Reise nach Niederbayern ein.

von
Da schweigt der Boss. Sichtlich irritiert verfolgt Trainer Don Jackson das Spiel seiner Eisbären gegen Straubing. Foto: dpa
Da schweigt der Boss. Sichtlich irritiert verfolgt Trainer Don Jackson das Spiel seiner Eisbären gegen Straubing. Foto: dpaFoto: dpa

Berlin – Das gab es in dieser Saison noch nicht bei Heimspielen der Eisbären. Obwohl noch drei Minuten zu spielen waren, verließen die Zuschauer in Scharen die Arena am Ostbahnhof. Als die Schlusssirene nach dem gestrigen dritten Halbfinalspiel des Deutschen Meisters gegen die Straubing Tigers ertönte, war es übersichtlich in der zuvor mit 14 200 Zuschauern ausverkauften Halle. Nur im Kurvenoberring gab es Rabatz, da schrien rund 800 Straubinger Fans immer wieder „Niederbayern“. Es war der Eishockeytag der Niederbayern. Die Eisbären hatten nach zwei 4:1-Siegen das dritte Spiel der im Modus „Best of five“ gespielten Halbfinalserie 1:3 (0:0, 1:1, 0:2) gegen Straubing verloren.

Der Meister aus Berlin – saisonübergreifend zuvor elf Play-off-Spiele in Folge siegreich – stellte sich am Montag reichlich ungeschickt an. Verteidiger Constantin Braun gab sogar zu: „Wir waren nicht mit 100 Prozent bei der Sache.“ Das ist erstaunlich, denn mit ihrer unerwarteten Niederlage haben sich die Berliner eine zweite Reise nach Niederbayern ermöglicht, auf die sie gern verzichtet hätten. Am Mittwoch müssen die Eisbären bei den Tigers antreten. Bei einem weiteren Straubinger Sieg gäbe es am Freitag ein Wiedersehen bei Spiel fünf in Berlin.

Zwei Maximen hatten die Eisbären laut ihrem Trainer Don Jackson vor dem Spiel am Montag: „Wir wollten hart spielen und wir wollten schlau spielen.“ Beides klappte nicht. Straubing, zuvor zweimal klar unterlegen, kam mit seinen bescheidenen Mitteln zum Erfolg. Die Eisbären glaubten wohl, dass sich die Angelegenheit aufgrund ihrer spielerischen Klasse irgendwie zu ihren Gunsten regeln würde. Der Favorit war zunächst besser, doch kämpferisch überzeugte der Außenseiter mehr. Ab dem zweiten Drittel entwickelte sich das Spiel zugunsten der Gäste. Ein Pfostenschuss von Sandro Schönberger ließ erahnen, dass es vor dem Tor von Robb Zepp fortan bunter zugehen würde. Ihrem Torwart hatten es die Eisbären lange zu verdanken, dass sich der Schaden für sie in Grenzen hielt – bis Richie Regehr einen Schuss des Straubingers Bruno St. Jacques unhaltbar für Zepp ins eigene Tor abfälschte.

Nur 95 Sekunden später foulte St. Jacques den Berliner Laurin Braun auf dem Weg zum Tor, die Berliner bekamen einen Penalty zugesprochen. Braun verwandelte gekonnt zum 1:1. Straubings Torwart Barry Brust rutschte der Puck durch die Beinschoner. Doch auch nach dem Tor fanden sich die Berliner nicht. Dass André Rankel nach seiner Matchstrafe vom Sonnabend fehlte, machte sich bemerkbar. Ein robuster Angreifer seiner Klasse hätte den Eisbären gut getan. So aber wurde ineffektiv mit dem Puck herumgezaubert oder gezaudert.

Im letzten Drittel wurde Zepp wie im mittleren Abschnitt von den Straubingern ordentlich beschäftigt. Seine Vorderleute waren dagegen zu sehr mit sich selbst beschäftigt. So drosch Regehr seinem Kollegen Florian Busch den Puck unabsichtlich gegen den Helm. Busch konnte weiterspielen. Regehrs letzte unglückliche Tat kam aber noch: Mit einem Fehler vor dem eigenen Tor ermöglichte er den zweiten Straubinger Treffer des Nachmittags. Als die Berliner in Überzahl waren traf Dustin Whitecotton zum 2:1. Laurent Meunier gelang später sogar noch das 3:1.

Straubings Trainer Dan Ratushny fand: „Im ersten Spiel waren wir schlechter, im zweiten Spiel waren wir besser als im ersten Spiel und im dritten Spiel besser als die Eisbären.“ Hört sich bedrohlich an, was die Berliner Erfolgsaussichten für Mittwoch betrifft. Laurin Braun aber glaubt nicht daran, „dass wir ein zweites Mal so schlecht aussehen gegen Straubing“. Am Mittwoch, sagt Braun, werde die Serie zugunsten der Eisbären enden.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben