Sport : Zu viele lange Kerle

Alba Berlin kann in Bologna die vier gegnerischen Centerspieler nicht stoppen

Helen Ruwald

Berlin. Er war der Star beim Bundesligaabsteiger Wiredminds Tübingen, doch die richtigen Cracks, die besten Basketballer Europas, kannte DeJuan Collins bislang nur aus dem Fernsehen. Trotzdem kündigte der neue Spielmacher des Deutschen Meisters Alba Berlin vor seiner Euroleague-Premiere frech an, dass er die Liga aufmischen wolle. Er habe keine Angst, die anderen sollten sich vielmehr vor ihm in Acht nehmen.

Doch den Worten folgten beim Debüt in der Gruppe A gegen Efes Istanbul vor einer Woche keine Taten. Collins enttäuschte bei der 21-Punkte-Niederlage. Nur bei 22 Prozent seiner Feldwürfe traf er den Korb, sechs Punkte machte der Topscorer der vergangenen Bundesligasaison. Vor allem in der Verteidigung offenbarte der 25-Jährige Mängel.

Am Mittwochabend nun brüllte der Kommentator des Webradios von Skipper Bologna immer wieder aufgeregt „Collins“ oder „Pesic“ ins Mikrofon. Auch der des Italienischen unkundige Hörer konnte erahnen, dass die beiden vor 3200 Zuschauern in Bologna Großes leisteten. Das taten sie wahrlich: Pesic erzielte bei der 78:88-Niederlage 21 Punkte, davon 19 in der ersten Halbzeit (vier Dreier), Collins traf öfter in den Korb als alle anderen Spieler auf dem Feld. 27 Punkte wies die Statistik für ihn aus, darunter drei Dreipunktewürfe, und eine Wurfquote von 67 Prozent. Collins, der 1,87-Meter-Mann, im Spielrausch. „Da waren Würfe dabei, wo die Uhr fast abgelaufen war“, sagte Albas Manager Carsten Kerner. Wenn eine Mannschaft in Ballbesitz gelangt ist, muss sie innerhalb von 24 Sekunden auf den Korb werfen, sonst bekommt der Gegner den Ball. Eine Uhr über dem Korb läuft rückwärts von 24 auf Null. Collins ging volles Risiko, warf mehrfach im letzten Moment – und traf. Nachdem Alba lange mit acht bis zehn Punkten zurücklag, verkürzte Collins im dritten Viertel mit zwei Dreipunktewürfen auf 65:69. „Er hat uns in vielen Phasen wieder zurückgebracht ins Spiel“, sagte Henrik Rödl, „er hat Europaligatauglichkeit bewiesen.“ Das war die positive Erkenntnis des Abends.

Die negative war die nicht überzeugende Verteidigung. Entschieden wurde die Begegnung unter den Körben; die ernüchternde Rebound-Bilanz: 39:20 für Bologna. Eklatant war der Klassenunterschied unter dem Korb bei den Offensivrebounds, dann also, wenn es gilt, nach Fehlwurf des eigenen Teams den vom Brett zurückprallenden Ball abzufangen und erneut zu versuchen, ihn in den Korb zu stopfen. 14 solcher Offensivrebounds erkämpfte Skipper, nur zwei Alba. Bezeichnend war die Statistik von Quadre Lollis, seit Saisonbeginn Berlins bester Rebounder. 14 dieser Abpraller hatte er sich bei der Heimniederlage gegen Istanbul (63:84) noch geschnappt, in Bologna waren es nur drei. Lollis misst exakt zwei Meter und ist es gewohnt, sich gegen deutlich größere Kontrahenten durchzusetzten. Doch Bologna hat vier Centerspieler, die alle zwischen 2,08 Meter und 2,13 Meter lang sind – das waren dann doch zu viele lange Kerle.

Neben Lollis sollten Jovo Stanojevic (2,07 m), Teo Öztürk (2,08 m) und Kevin Rankin (2,10 m) Skipper stoppen. Doch schon im ersten Viertel handelten sich Lollis, Stanojevic und Öztürk erste Fouls ein. Stanojevic und Rankin kassierten Anfang der zweiten Halbzeit ihr viertes Foul. Fehlende Zentimeter plus Zurückhaltung, so war vor allem der überragende Center Mate Skelin (18 Punkte, 10 Rebounds) nicht zu stoppen.

Gegen Efes punkteten bei Alba vor allem Lollis und Öztürk, gegen Skipper Collins und Pesic, zu wenig, um zu gewinnen. „Wir haben nicht die Superstars wie Efes, denen man den Ball übergeben und sagen kann: Mach mal“, sagt Rödl. Albas Plus ist die mannschaftliche Geschlossenheit, aber „um als Team zu glänzen, müssen wir uns erst als Team finden“. Und dieser Prozess dauert angesichts von drei Zugängen in der Startformation (Lollis, Stanojevic, Collins) noch an. „Da fehlt noch ein bisschen die Abstimmung, die Mannschaft war aber deutlich besser als gegen Efes“, sagt Kerner. In der Bundesliga, in der Alba morgen (20 Uhr) bei den noch sieglosen Trierern antritt, braucht es nicht den Superstar, um zu gewinnen. Kleine Stars reichen. Solche wie Collins.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben