Sport : Zu viele Pfunde

Anneke Böhmert fehlt bei der Hockey-Olympiaqualifikation

Andreas Morbach

Prinzipiell sind Fortbildungsmaßnahmen eine gute Sache, bei Anneke Böhmert entwickelte sich das Ganze allerdings eher ungünstig. Zumindest aus sportlicher Sicht. Im November 2003 verabschiedete sich die Hockey-Nationalspielerin von ihrem Verein Klipper Hamburg und wechselte vorübergehend zum Spanischen Meister Real Polo de Barcelona. Anderes Hockey, anderes Wetter, anderes Leben.

Gute Sache, aber schlecht gelaufen: Die 23-Jährige nahm bei ihrer ausgedehnten Exkursion ans Mittelmeer zu. Weil sie „anfällig dafür ist“, wie Bundestrainer Markus Weise sagt. Anneke Böhmert, eigentlich Stammkraft im DHB-Team, zog die Konsequenzen aus den überzähligen Kilos: Sie verzichtete auf das olympische Qualifikationsturnier, das heute in Auckland beginnt.

Zum vierten Mal wird die Veranstaltung jetzt ausgetragen, zum vierten Mal sind die DHB-Damen dabei: 1991 lösten sie in Auckland als Sieger die Olympiatickets, Gleiches gelang 1995 in Kapstadt sowie vor vier Jahren im englischen Milton Keynes – dort jeweils als Dritte. Deutschlands Hockey-Herren waren dagegen als Europameister stets für Olympia qualifiziert. Sie sind es auch diesmal.

Angesichts des schwachen Niveaus im nationalen Damenhockey dürfte die Kluft zwischen den Geschlechtern hierzulande in absehbarer Zeit kaum kleiner werden. „Wer als Frau in Deutschland Hockey spielen kann, spielt in der Bundesliga“, sagt Bundestrainer Markus Weise – und träumt von niederländischen Verhältnissen. „Dort gibt es vier Mal so viele Hockeyspielerinnen wie bei uns, entsprechend groß ist die Konkurrenz.“

In Auckland fehlt nicht nur Anneke Böhmert. Auch Natascha Keller und Caroline Casaretto wegen Trainingsrückstands sowie Denise Klecker und Cornelia Reiter sind nicht dabei. Vor allem der Ausfall der Berlinerin Natascha Keller „könnte uns ein bisschen wehtun“, ahnt der Bundestrainer.

Im Zehnerfeld muss mindestens der fünfte Platz herausspringen, um sich für Olympia in Athen zu qualifizieren. Fünfter wird man aber nur mit zwei Siegen in den nervenaufreibenden Ausscheidungsspielen um die Plätze fünf bis acht. „Wir wollen ins Halbfinale, um dann noch ein paar schöne Spiele zu machen“, lautet deshalb Weises verständlicher Wunsch. Vom Papier her stehen die Chancen gut: Von den Gruppengegnern Ukraine, England, Irland und Neuseeland stehen nur die Engländerinnen in der Weltrangliste vor der DHB-Auswahl. Andererseits droht im letzten Gruppenspiel gegen die Gastgeberinnen, die etwa die Spielstärke der deutschen Mannschaft haben, ein vorgezogenes Endspiel.

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