Sport : Zu wenig für die Spitze

Was Dardais Einsatz über Herthas Qualität aussagt

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Während des Spiels zwischen Hertha BSC und Werder Bremen am Samstagnachmittag hallte ein Name durch das Olympiastadion, der dort schon sehr lange nicht mehr zu hören war. Die Fans riefen ihn nicht sehr laut, eher etwas verhalten. Die Rufe für Herthas Pal Dardai gingen schnell wieder unter in den Anfeuerungsschreien der übrigen Fans, die das gesamte Team feierte. Dardai hatte kurz zuvor sein erstes Tor für die Berliner seit zweieinhalb Jahren erzielt. Doch nach Spielende dachten die meisten Anhänger des Fußball-Bundesligisten schon nicht mehr an ihn. Sie waren nur noch frustriert über die unglückliche 1:2-Niederlage gegen Werder Bremen.

Es ist schade für Dardai, dass sein Treffer durch die Niederlage in den Hintergrund gerückt ist. Der 29-Jährige scheint bei Hertha trotzdem nicht so schnell unterzugehen wie die Rufe nach ihm am Samstag. Der defensive Mittelfeldspieler wurde in der abgelaufenen Saison zwar von Niko Kovac verdrängt. Doch in den vergangenen drei Spielen durfte Dardai neben Kovac beginnen. „Es funktioniert gut mit den beiden zusammen“, sagt Trainer Falko Götz.

Wann immer Dardai von Götz eingesetzt wird, der Mittelfeldspieler erledigt seine Aufgaben in der Defensive zuverlässig, er funktioniert. Aber dass sich ein 29-Jähriger, den Hertha im Sommer schon abgeben wollte, nun wieder durchgesetzt hat, sagt etwas über den Kader der Berliner aus: Die Breite fehlt. Ein anderes Beispiel dafür ist Christopher Samba. Der 21-Jährige wurde gegen Bremen zum fünften Mal in dieser Saison eingewechselt. Zur den besten Bundesligaspielern zählt Samba nicht. Ein Topverteidiger hätte den Ball in der 85. Minute gegen Werder vielleicht zur Seite gelenkt. Samba jedoch köpfte ihn vor die Füße des Bremers Tim Borowski, der den Ball volley ins Tor drosch und damit Herthas Niederlage einleitete.

Die Auswechselbank Herthas ist von der Qualität her schwächer besetzt als die von Schalke 04 oder von Bremen. Gegen Werder spielten die Berliner bis kurz vor dem Ende überlegen. Dann fehlte den wichtigsten Spielern die Konzentration, für die meisten war es das siebte Spiel innerhalb von drei Wochen. Doch Götz konnte seine Leistungsträger nicht auswechseln – dazu fehlten ihm hochklassige Einwechselspieler. Die Belastung in der laufenden Saison ist durch den Uefa-Cup höher als vergangene Saison. Wie weit die Berliner in diesem Wettbewerb kommen werden, hängt mit der heutigen Auslosung der Gruppen zusammen (12.00 Uhr, live auf Eurosport).

Vielleicht ist die knappe Niederlage gegen Bremen nur folgerichtig. Hätten die Berliner gewonnen, dann wären sie nur vier Punkte hinter Tabellenführer Bayern München, die Euphorie im Klub wäre riesig. So aber stehen die Berliner auf Platz fünf – ihr realistisches Ziel, einen Startplatz für den Uefa-Cup zu erreichen, können sie nun weiter in Ruhe verfolgen.

Dardai wird dabei mitwirken dürfen, sein Vertrag läuft sogar noch bis 2007. „Ich bin 29, es war wohl das letzte Jahr, in dem ich hätte wechseln können“, sagt er. Eine Anfrage von Arminia Bielefeld hatte er im Sommer abgelehnt, weil er bei einem richtig guten Klub zum Einsatz kommen will. Und da wähnt sich Dardai in Berlin am richtigen Ort.

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