Sport : Zu wenig Geld für ein großes Ziel (Kommentar)

jöwe

Die Frage nach Sitz und Vorsitz ist noch nicht abschließend geklärt, doch die neuesten Nachrichten von der weltweiten Anti-Doping-Agentur, die das Internationale Olympische Komitee (IOC) noch in diesem Monat gründen möchte, zeigen, dass der politische Druck seitens der EU-Innenminister offenbar Erfolg hatte. Auf stärkere Unabhängigkeit, als es dem IOC lieb war, hatten die Politiker gedrängt. Nun wird Präsident Samaranch doch nicht den Vorsitz der Agentur übernehmen, und auch im Hinblick auf den Standort will das IOC einlenken. Lausanne, die Heimatstadt des IOC, soll nur kurzzeitig als Stammsitz dienen.

Doch eigentlich sind das alles nur Randthemen, mit denen sich das IOC bereits schwer tut. Die Frage ist, was die Agentur wirklich bewirken kann. Skepsis ist angebracht. Nicht in erster Linie, weil damit zu rechnen ist, dass sie aus Zeitgründen bis Olympia 2000 nur wenig Wirkung erzielen dürfte. 25 Millionen Dollar beträgt die Anschubfinanzierung durch das IOC. Das klingt viel und ist doch wenig. Um weltweite, unabhängige Trainingskontrollen in allen olympischen Sportarten durchzusetzen und parallel dazu die Forschung nach 100-prozentig sicheren Nachweismethoden voranzutreiben, wird ein Vielfaches nötig sein. Bis heute gibt es beispielsweise keine anerkannte Methode, um das im Ausdauerbereich Vorteile bringende Epo nachzuweisen. Doch in Japan soll bereits ein Folgemittel auf dem Markt sein. Manches spricht dafür, dass der Kampf gegen Doping ein aussichtsloser ist. Die Anti-Doping-Agentur bietet eine kleine Chance auf dem Weg zu mehr Gerechtigkeit - sie benötigt aber maximale Unterstützung weltweit.

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