Sport : Zu wenig nervös für den Wahnsinn

Der Berliner Niels Giffey scheidet aus und kann den College-Titel nicht verteidigen.

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Berlin - Erfahrung ist vielleicht nicht immer hilfreich. „Weniger nervös“ sei er, sagte der Basketballer Niels Giffey vor dem Turnierstart um die Collegemeisterschaft in den USA, „man kennt die Abläufe.“ Mit den Abläufen meinte der gebürtige Berliner die „March Madness“: Die Basketballer von 68 Universitäten kämpfen vor Zehntausenden fanatischen Fans in den Hallen und Millionen Zuschauern am Fernseher darum, am 2. April in Louisiana den Titel zu holen.

Vor einem Jahr hatte Giffey überraschend mit den Connecticut Huskies triumphiert, als erster Deutscher seit Henrik Rödl 18 Jahre zuvor. Es folgten ein rauschender Sommer, Paraden und ein Empfang bei Barack Obama.

Den US-Präsidenten wird der Deutsche dieses Jahr nicht wiedersehen. Bereits im ersten Spiel schied er mit den Huskies aus. Gegen Iowa State verlor der Titelverteidiger in der Nacht zum Freitag 64:77 (32:42). Giffey spielte nur sieben Minuten und erzielte zwei Punkte.

Es war bezeichnend für die Saison des College-Meisters und des deutschen Talents. Ohne den Star des Vorjahres, Kemba Walker, der nun in der Profi-Liga NBA spielt, verlor das verjüngte Team öfter als im Vorjahr. Auch Giffey kam nicht voran. Mehr Verantwortung wollte er im zweiten Collegejahr übernehmen, seine Statistiken verbesserten sich jedoch nur marginal auf 2,6 Punkte in knapp zwölf Minuten – weit davon entfernt, sich für die Traumliga NBA ins Gespräch zu bringen. „Ich hatte schon gehofft, dass ich mich mehr verbessere und weitere Schritte mache“, sagt der 19-Jährige.

Dabei hatte Giffey „einen richtig guten Sommer“, als er nach dem Titel mit der Nationalmannschaft trainierte und eine gute U20-EM spielte. Von dort brachte er eine Verletzung mit, die ihn zurückwarf.

„Danach war es schwer für mich ins Team zu kommen“, sagt Giffey. Die Plätze waren vergeben, etwa an Jeremy Lamb. Der war vor zwei Jahren mit dem blonden Zweimetermann an die Uni gekommen. Giffey sah sich auf gleichem Niveau, nun ist er Ersatzspieler und Lamb, der auch nachts oft noch werfen geht, Topscorer. „An seinem Einsatz kann man sich ein Beispiel nehmen“, sagt Giffey.

Eine Rückkehr in die Heimat, etwa zum Jugendklub Alba Berlin, stehe nicht zur Debatte. „Ich entscheide Jahr für Jahr“, sagt er, „die Tendenz lautet, die vier Jahre hier durchzuziehen.“ Dominik Bardow

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