Zu wenig : Spiel der verpassten Chancen

Nur 1:1 gegen Bielefeld: Hertha BSC legt nicht nach. Wieder gibt es keinen Saisonstart mit zwei Siegen.

Stefan Hermanns
Fußball - Hertha BSC Berlin - Arminia Bielefeld
Schön, aber zwecklos. Herthas Brasilianer Cicero.Foto: dpa

Marko Pantelic musste noch einen besonderen Gruß loswerden. Herthas Stürmer lief Richtung Trainerbank, an der Seitenlinie stand Lucien Favre und bejubelte ausgelassen das 1:0 des Serben gegen Arminia Bielefeld. Pantelic lief an Favre vorbei, direkt in die Arme von Josip Simunic. Herthas Innenverteidiger, vor einer Woche umsichtiger Organisator der Berliner Abwehr, saß nur auf der Ersatzbank.

Diese Personalie könnte beim Berliner Bundesligisten noch einigen Ärger auslösen. Auf die Frage, nach dem Grund für seinen Lauf zu Simunic antwortete Pantelic nur: „Was meinst du denn?“ Und Patrick Ebert sagte: „Für mich und den Rest des Teams war es schon sehr verwunderlich, dass er nicht dabei war.“ Für Simunic spielte Kaka, und der nahm erheblichen Einfluss auf den Ausgang des Spiels. Fünf Minuten nach Herthas Führungstor verwandelte sich ein missglückter Befreiungsschlag des Brasilianers in eine perfekte Vorlage für die Bielefelder. Artur Wichniarek umkurvte Torhüter Jaroslav Drobny und schob den Ball zum 1:1 über die Linie. Bei diesem Spielstand blieb es.

Pantelic trifft zum 1:0

Es gibt vergebene Chancen, die sich so schnell nicht wiedergutmachen lassen. Wer bei Olympia eine Medaille verpasst, muss mindestens vier Jahre warten, bis er es wieder probieren kann. Auch die Berliner verspielten gestern eine Gelegenheit, die sich ihnen frühestens im nächsten Sommer wieder bietet. Hertha hat zum Auftakt einer Bundesligasaison noch nie zweimal hintereinander gewonnen. Dabei bleibt es. Die Berliner verpassten durch das Unentschieden nicht nur den 250. Heimsieg in der Bundesliga, sondern auch den möglichen Sprung an die Tabellenspitze. „Das war eine gefühlte Niederlage“, sagte Verteidiger Steve von Bergen.

Trotz veränderter Besetzung und neuer taktischer Grundordnung, einem 4-3-2-1-System, kontrollierte Hertha jederzeit das Geschehen. „Nur das Ergebnis ist nicht okay“, sagte Favre. Sein Team setzte die biederen Bielefelder mit intensivem Pressing früh unter Druck und unterband damit jegliche Offensiv-Bemühungen des Gegners. „Berlin war immer in Ballbesitz“, sagte Arminias Trainer Michael Frontzeck. „Wir sind immer nur hinterhergelaufen.“ Hertha gewann auch die zweiten Bälle, die eigene Defensive geriet nie in Gefahr. Am Ende standen 29:4 Torschüsse zu Gunsten der Berliner und 11:3 Ecken. „Das ist für uns ein guter Punkt“, sagte Frontzeck angesichts der Überlegenheit der Herthaner.

29:4 Torschüsse für die Berliner

Seine Mannschaft verteidigte sehr tief, was es den Berlinern nicht leicht machte, in den Strafraum vorzudringen. Trotzdem ergaben sich einige Gelegenheiten. Nach einem Doppelpass mit Raffael verfehlte Cicero schon in den Anfangsminuten das Bielefelder Tor. Die beste Chance vergab Gojko Kacar, der seine Position im Mittelfeld sehr offensiv interpretierte. Nach einer präzisen Vorlage von Marko Pantelic setzte der Serbe den Ball aus drei Metern über die Latte.

Pantelic bot erneut eine starke Leistung. Wenn der Serbe am Ball ist, kommt Zug in Herthas Angriffsspiel. Und nachdem er beim Sieg in Frankfurt beide Tore vorbereitet hatte, traf er diesmal selbst: Pantelic überwand mit einem Heber Bielefelds Torhüter Dennis Eilhoff, der ohne Not aus seinem Tor gekommen war. Kurz darauf hatte Eilhoff Glück, als Raffael mit einem Kopfball knapp das 2:0 und damit die Entscheidung verpasste. Im Gegenzug fiel der Ausgleich, eingeleitet von Bielefelds Torhüter, der seinen Fehler beim 0:1 wieder wettmachte. Nach seinem Abschlag und einer Kopfballverlängerung landete der Ball auf Kakas Fuß – und schließlich in Wichniareks Laufweg. Das 1:1 versetzte der von Hertha ausgerufenen Aufbruchstimmung einen ersten Dämpfer. Eine Aufbruchstimmung, die zum ersten Heimspiel exakt 4171 Zuschauer mehr ins Olympiastadion trieb als beim letzten Duell mit Bielefeld im Februar, mitten im ungemütlichen Berliner Winter. Insgesamt waren es 36 302.

Chermitis Kurzdebüt

Hertha dominierte auch nach der Pause. Allerdings trafen die Versuche nicht mehr auf die volle Gegenliebe Favres: „Wir haben zu individuell gespielt.“ Trotzdem hatte Hertha noch vereinzelt Chancen. Raffael scheiterte nach kluger Rückgabe von Pantelic an Eilhoff. Cicero und Kacar verfehlten mit Kopfbällen das Ziel. Eine Viertelstunde vor Schluss schickte Favre einen weiteren Stürmer aufs Feld: Der Tunesier Amine Chermiti kam zu seinem Bundesligadebüt, seine erste Aktion war ein netter Fallrückzieher – den enttäuschenden Ausgang konnte aber auch er nicht verhindern.

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