Sport : Zu zweit ist der Weg zu Medaillen weniger weit

Ernst Podeswa

Udo Dönsdorf spielte Mäuschen. Als vom Podium starke Worte fielen, die man als Notruf interpretieren konnte, saß der Sportdirektor der Deutschen Eislauf-Union (DEU) in einer Ecke und schwieg. Bis er angesprochen wurde. "Wir sehen auch die Notwendigkeit, in Richtung WM 2004 in Dortmund eine Paarlauf-Initiative zu starten", sagte Dönsdorf besänftigend.

Denn die Stimmung war aufgeheizt. Erst hatten die drei Medaillenduos der 100. Deutschen Meisterschaften im Erika-Hess-Stadion über ihr mühevolles Miteinander berichtet. Schon dabei war die DEU nicht gut weggekommen. Dann legten die Trainer nach. Knut Schubert (43) aus Berlin und Ingo Steuer (35) aus Chemnitz forderten den Verband in einer Art konzertierten Aktion auf, dem Paarlauf mehr Aufmerksamkeit zu schenken. "Es ist auf Jahre hinaus absehbar, dass die DEU im Einzellauf international keine Medaillen gewinnen wird. Das ist am schnellsten bei den Paaren möglich", sagen Schubert und Steuer. Beide waren einst als Einzelläufer limitiert und stiegen erfolgreich zum Paarlauf um. Schubert wurde zweimal EM-Dritter, Steuer mit Mandy Wötzel 1997 sogar Weltmeister. "Warum können wir hier nicht ein paar Einzelstarter, die eh nie eine Katarina Witt oder Weltmeister wie Jan Hoffmann werden können, überzeugen, zu den Paaren zu wechseln?", fragte Steuer. Und die müsse man dahin geben, wo man wüßte, wie sie auf internationales Spitzenniveau gebracht würden: nach Berlin (Schubert) oder Chemnitz (Steuer).

Den Vorwurf, die DEU tue zu wenig für den Paarlauf, versuchte Sportdirektor Dönsdorf mit dem Hinweis abzumildern, von acht Bundeswehr-Förderstellen seien derzeit fünf durch Paarläufer besetzte. Und er informierte, dass der Gedanke des Umsetzens von Einzelläufern nicht neu sei: "Wir haben Sichtungs-Lehrgänge abgehalten, um Einzelläufer zu testen. Doch wenn es konkret wird mit dem Paarlauf, dann sind Sportler oder deren Eltern oft nicht bereit zu einem Wohnortwechsel." Vielleicht hilft der Verweis auf das Beispiel von Sarah Jentgens (19), die vom Rhein (Köln) an die Spree (Berlin) zog und nach anderthalb Jahren Trainings mit Mirko Müller erstmals Deutsche Meisterin wurde. Und nun bei der EM starten wird und möglicherweise sogar auf olympischem Eis in Salt Lake City.

Vorbehalte, von München nach Chemnitz in Sachsen zu ziehen, kann Steuer nicht nachvollziehen. Weil er das Geschäft seit seinem Übertritt zu den Profis 1998 mit den Augen eines Profis sieht. "Wenn ich auf dem Markt als Sportler Erfolg haben will, gehe ich dahin, wo das am besten gewährleistet ist." Und warum nicht in Chemnitz, wo einst Welt- und Europameister im Eiskunstlauf in Serie geformt wurden: von Gaby Seyfert über Jan Hoffmann bis Katarina Witt. Steuer will mithelfen, dass diese Kette, wenn auch eine Stufe tiefer, fortgesetzt wird. Und so betreut er seit August das neu zusammengestellte Paar Nicole Nönnig/Matthias Bleyer, die Meisterschaftsdritten. Noch tingelt er zwar mit Mandy Wötzel bei rund 100 Schaulauf-Auftritten rund um die Welt. "Doch ich möchte einmal als Trainer die Rolle übernehmen, die Jutta Müller und meine Trainerin Monika Scheibe für das Eislaufen in Chemnitz gespielt haben."

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