Sport : Zu zweit unter Männern

DTM-Debüt von Susie Stoddart und Vanina Ickx

Karin Sturm[Hockenheim]

Susie Stoddart und Vanina Ickx scheinen einiges gemeinsam zu haben. Seit mehr als zehn Jahren sind sie die ersten Frauen im Deutschen Tourenwagen-Masters (DTM), sie sind beide in einem 2004er-Auto unterwegs, und sie stehen naturgemäß im Mittelpunkt des Interesses. In Wirklichkeit aber trennen sie feine Unterschiede. Die Schottin Stoddart ist quasi im Fahrerlager aufgewachsen. Ihr Vater und ihr Großvater fuhren Motorradrennen, ihre Mutter war ein großer Rennsportfan. So war es kein Wunder, dass sie schon als Jugendliche die ersten Kart-Rennen fuhr – neben Einsätzen in der schottischen Ski-Nationalmannschaft und einer erfolgreichen Karriere als Schwimmerin. Jetzt, mit 23, ist sie nach zwei Jahren in der englischen Formel Renault und einem Jahr in der englischen Formel 3 in der DTM angekommen.

Auch Audi-Pilotin Vanina Ickx ist erblich vorbelastet: Ihr Vater ist der frühere Formel-1-Fahrer Jacky Ickx. Doch im Gegensatz zu Stoddart hat sie ihr Leben nicht unbedingt von Anfang an zielstrebig auf den Rennsport ausgerichtet. Sie studierte Biologie, hat allerdings nie in diesem Beruf gearbeitet. In ihrer Jugend hat sie als Springreiterin an Turnieren teilgenommen; außerdem war sie die erste Frau, die mit einem Leichtflugzeug den Ärmelkanal überquerte, sie jagte auf Abfahrtsski die Sprungschanze von Courchevel hinunter – und stellte mit 136 km/h einen Geschwindigkeitsweltrekord auf. Die 31-Jährige mag keine Routine: „Ich will die ganze Zeit etwas Neues lernen. Gerade habe ich angefangen, Deutsch zu lernen. Das ist auch eine Herausforderung, nur nicht ganz so verrückt.“

Dass immer wieder unterstellt wird, dass beide nur der Show wegen einen Platz bekommen hätten, lässt sie kalt. „Das stört mich überhaupt nicht. Es liegt jetzt allein an mir, mich zu beweisen“, sagt Stoddart. Ihr Mercedes-Teamkollege Mika Häkkinen bescheinigt ihr eine „starke Persönlichkeit und große Zielstrebigkeit“ – sie selbst weiß genau, was sie will: „Ich möchte nach Ellen Lohr die nächste Frau werden, die ein DTM-Rennen gewinnt!“ In ihrem ersten Qualifying in Hockenheim, in dem sich Mercedes-Pilot Jamie Green vor Bernd Schneider die Poleposition sicherte und der Berliner Stefan Mücke mit dem Vorjahres-Mercedes als Fünfter die große Überraschung war, landete sie auf Platz 17. Damit war sie immerhin die Schnellste der vier Starter in 2004er-Autos.

Vanina Ickx hat sich keine konkreten Ziele für diese Saison gesetzt, „dafür kann ich das alles noch zu wenig einschätzen“. In Hockenheim wurde sie im Qualifying Letzte. Natürlich gefiel ihr das nicht besonders, andererseits ist es auch kein Grund für allzu großen Gram. Dazu ist der Spaß am Fahren für sie zu groß, die Freude, Erfahrungen zu sammeln – unabhängig vom Ergebnis: „Das Rennfahren ist eine Möglichkeit, mich auszudrücken und von mir etwas zu lernen.“

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