Sport : Zukunft gegen Vergangenheit

Beim Tennisturnier in Wimbledon trifft Rafael Nadal heute auf Andre Agassi

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London - Die Suche nach Gemeinsamkeiten ist schwierig. Andre Agassi, 36, und Rafael Nadal, 20, verbindet nicht sehr viel, sieht man einmal davon ab, dass beide an diesem Samstag in Wimbledon ins Achtelfinale einziehen wollen und den gleichen Ausrüster haben. Schon die Erscheinung könnte unterschiedlicher nicht sein. Hier der Gentleman mit dem glatt rasierten Haupt und dem blassen Teint. Dort der jugendliche, braun gebrannte Draufgänger, der seine Haare mit einem weißen Tuch bändigt. Nadal gehört die Zukunft des Tennis, Andre Agassi aber ist Vergangenheit. Er spielt zum letzten Mal in Wimbledon und wird nach den US Open seine großartige Karriere beenden.

Als Andre Agassi 1986 als 16-Jähriger sein erstes Grand-Slam-Turnier spielte und in der ersten Runde der US Open ausschied, war Nadal noch nicht einmal drei Monate alt. Obwohl sich der Mallorquiner früh für Tennis und gegen Fußball entschied, verfolgte er die Karriere des anfangs wilden und exzentrischen Spielers aus Las Vegas nicht. „Ich habe immer nur auf mich geschaut“, sagte er in Wimbledon nach seinem quälenden Fünfsatzsieg gegen den nur auf Position 237 der Weltrangliste geführten Robert Kendrick aus Kalifornien. Auf Rasen tat er sich bisher schwer, diesmal aber will der Sandplatzspezialist erstmals in Wimbledon ins Achtelfinale.

Andre Agassi lobt den zweimaligen French-Open-Sieger, der den bislang einzigen Vergleich im Vorjahr beim Masters-Turnier in Montreal auf Hartplatz in drei Sätzen gewonnen hat. „Er ist ein großer Spieler und sehr selbstbewusst. Es ist müßig zu erwähnen, dass er äußerst talentiert ist und unglaublich fit. Kurzum: Es wird ein sehr schweres Match werden.“ Die Quoten freilich sprechen für Agassi, der sich beim glatten Dreisatzsieg gegen den Italiener Andreas Seppi in ausgezeichneter Form präsentierte. Die Zahlen sprechen überdies für den Champion des Jahres 1992, der bei seinen letzten Auftritten in Wimbledon noch einmal sein bestes Tennis zeigen will. 60 Titel stehen 17 des Spaniers gegenüber. 31 Millionen Dollar hat Agassi an Preisgeld gewonnen, Nadal kassierte inzwischen auch sieben Millionen. Vier Spiele haben beide in dieser Saison verloren, Agassi aber nur 6 gewonnen, während es Nadal auf 39 gebracht hat.

Das alles zählt nicht am Samstag im Kampf der Generationen. Rafael Nadal wird dann wieder sein ärmelloses Shirt tragen, in dem er so an den jungen, wilden Agassi erinnert. Die Ovationen werden dem alten, seriösen Agassi gelten. Egal, wie das Match endet. dpa

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