Sport : Zukunft in der Mitte

Was Christian Träsch so interessant macht

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Star an der Seitenlinie. Die TSG verzichtete auf namhafte Einkäufe, der Königstransfer ist Trainer Holger Stanislawski.
Star an der Seitenlinie. Die TSG verzichtete auf namhafte Einkäufe, der Königstransfer ist Trainer Holger Stanislawski.Foto: dpa

Das Jobprofil von Christian Träsch beim VfL Wolfsburg ist klar festgelegt. Felix Magath will den 23-Jährigen im zentralen defensiven Mittelfeld aufbieten – und gibt ihm dafür sogar eine Art Stammplatzgarantie. Das war einer der Gründe, warum Träsch den VfB Stuttgart für eine Ablöse rund neun Millionen Euro verlassen und am Sonntag einen Vierjahresvertrag in Wolfsburg unterschrieben hat. Träsch erhofft sich beim neuen Klub mit Hilfe Magaths auch einen Sprung im Nationalteam. Ob diese Rechnung aber aufgeht, ist durchaus fraglich, Träsch müsste sich vor allem in der Spieleröffnung und im Abschluss steigern. Sein neuer Trainer ist da optimistisch. „Er hat die Qualität zu einem Führungsspieler“, sagt Magath.

Christian Träsch ist ein vielleicht noch nicht so bekannter Spieler. Doch in Fachkreisen hoch geschätzt. Nur eine Sprunggelenks-Verletzung stoppte ihn in der WM-Vorbereitung vor einem Jahr, sonst hätte Träsch im deutschen Kader für Südafrika gestanden.

In Stuttgart sah man den Platz des dynamischen und leidenschaftlichen Träsch zuletzt auf der rechten Verteidiger-Position und wollte ihn zu einem „schwäbischen Dani Alves“ aufbauen, wie Manager Fredi Bobic sagte. Rechts, so fand zuletzt auch Bundestrainer Joachim Löw, könne Träsch einen „guten Verteidiger“ spielen. Träsch aber sieht seine Zukunft in der Mitte und lehnte einen Fünf-Jahres-Vertrag beim VfB ab.

Da seine Technik noch zu wünschen übrig lässt, wird es für Träsch zumindest im Nationalteam wohl eher ein weiter Weg auf die Lieblingsposition in der Zentrale, zumal er dort an Bastian Schweinsteiger oder Sami Khedira vorbei müsste. Auch Bayern München liebäugelte zwischenzeitlich mit dem Transfer von Träsch, entschied sich dann aber für Luiz Gustavo. Felix Magath darf sich zumindest über eine zusätzliche Option freuen, der Neuzugang kann sowohl die Flügelpositionen besetzen, als auch in der Mitte spielen. Träschs großes Plus ist seine Variabilität.

In Stuttgart hat man die Enttäuschung über den Verlust einer Führungsfigur schon überwunden, die Schwaben konnten sich seit Wochen auf den Transfer vorbereiten. Am Ende brauchte man beim VfB den Erlös, um die Transferbilanz auszugleichen. Für William Kvist vom FC Kopenhagen und den Mexikaner Maza vom PSV Eindhoven gab der VfB rund fünf Millionen aus, Manager Bobic musste gleichzeitig Sparvorgaben des Vorstandes einhalten.

Christian Träsch traute der Aufbauarbeit in Stuttgart weit weniger als der Aussicht, mit Wolfsburg in die Bundesligaspitze vorzustoßen. Zusätzlich steigt sein Gehalt von rund drei auf rund fünf Millionen pro Saison. In Stuttgart hat Träsch unter Beweis gestellt, dass er eine Mannschaft mit seiner Dynamik und seinem Einsatzwillen mitreißen und antreiben kann. Falls er in Wolfsburg beweist, dass er ein Team auch spielerisch führen kann, könnte das seiner Karriere einen Schub geben. Träschs Planungen sahen auch nach Meinung seines Beraters Robert Schneider zwingend einen Wechsel vor. Schneiders Klient will sich entwickeln und seinen Stellenwert bei Löw steigern.

Zuletzt hatte sich der Wechsel hingezogen, weil Magath den renitenten Diego verkauft hätte, bevor er Träsch unter Vertrag nahm. Stuttgarts Trainer Bruno Labbadia jedoch meldete schwere Bedenken an. Labbadia sagte, Träschs Konzentration leide wegen des Wechseltheaters, die Vorbereitung des VfB werde gestört. Magath hingegen wollte keinesfalls eine Ablösesumme in zweistelliger Millionenhöhe bezahlen.

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