Zum 75. Geburtstag von Siegfried Held : Der stille Anführer

Siegfried Held hat als Spieler und Trainer fast alles im Fußball erlebt. Am Montag ist er 75 Jahre alt geworden.

Als Kapitän der Kickers. Held (l.) im Zweikampf mit Gladbachs Bonhof.
Als Kapitän der Kickers. Held (l.) im Zweikampf mit Gladbachs Bonhof.Foto: picture alliance / Roland Witsch

Am 6. September 1975 hatte Siegfried Held einen seiner letzten ganz großen Auftritte als Bundesligaspieler. Held sank auf die Knie, beschwor den Himmel. Das war völlig ungewöhnlich für den sonst eher in sich gekehrten Mann. Aber sein Tor zum 2:0 im Mainderby für die Offenbacher Kickers gegen Eintracht Frankfurt war eben ein besonderes. An der Frankfurter Blamage änderte Bernd Hölzenbeins spätes Tor zum 1:2 nichts. Der krasse Außenseiter mit dem jungen Trainer Otto Rehhagel und dem gealterten Held hatte den ungeliebten großen Nachbarklub geschlagen.

1965 kam Held in die Bundesliga, mit Offenbach hatte er schon in der Regionalliga (damals die zweite Liga) gespielt. Die erste Saison für die Borussen wurde Helds größte für den BVB. Mit Rechtsaußen Reinhard Libuda und Linksaußen Lothar Emmerich bildete er einen Angriff, der auch stark genug war, um den haushohen Favoriten FC Liverpool im Finale des Europapokal der Pokalsieger zu schlagen. 1966 hätte sogar noch ein größeres Jahr werden können für den einst in Tschechien geborenen Mann. Doch im WM-Finale von London scheiterte er mit der deutschen Nationalmannschaft an England, er stand beim legendären „Wembley-Tor“ auf dem Platz, Held stürmte an der Seite von Emmerich und Uwe Seeler. Im selben Jahr schoss er als erster Spieler auf die Torwand im „Aktuellen Sportstudio“ des ZDF. Vier Jahre später war Held wieder kein Titel mit dem Nationalteam vergönnt, dafür war er wieder Teil eines Spieles für die Geschichte, beim 3:4 der Deutschen im WM-Halbfinale gegen Italien.

Seit 2005 ist Held Fanbeauftragter beim BVB

Am Ende der Saison 1975/76 stieg Offenbach trotz des Derbysieges gegen die Eintracht ab und die Karriere des Siggi Held schien damit beendet – er wurde schließlich schon 34. Doch Siggi machte weiter, ging zurück nach Dortmund, spielte noch für Preußen Münster und beendete seine Laufbahn erst im Juni 1981 mit fast 39 Jahren im Trikot von Bayer Uerdingen.

Siggi Held galt auf dem Platz als stiller Anführer. Böse oder gar laute Worte kamen dem Mann mit den buschigen Augenbrauen selten über die Lippen, auch später nicht auf seinen zehn Stationen als Trainer, die von Schalke 04 über Japan (als erster deutscher Trainer der J-League) , bis schließlich Thailand reichen. Seit 2005 ist Held Fanbeauftragter beim BVB, für diesen Klub spielte er 230 Mal, für seinen anderen Herzensklub Kickers Offenbach hatte er sogar 270 Auftritte im Trikot.

Am Montag ist Siggi Held 75 Jahre alt geworden. Bei bester Gesundheit, wie zu hören ist. Große Worte vom Jubilar gab es nicht. Es hätte auch nicht gepasst zum stillen Anführer.

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