Sport : Zum Abschied ein Fest

Mehmet Scholl geht so pompös, wie er spielte

Helmut Schümann

München - Das erste Mal pumpte Mehmet Scholl nach 14 Minuten. Das zweite Mal nach 17 Minuten. Er pumpte schwer, die Luft für ein Spiel gegen den FC Barcelona hatte er nicht mehr. Es wurden 54 lange letzte Arbeitsminuten für den verdienten Meister des Sports. Puh!

Und nun ist er weg. Verabschiedet nach einer langen, glanzvollen Karriere von 69 000 Zuschauern in der Münchner Arena, von seinem Verein FC Bayern München, vom Gegner FC Barcelona. Sein Abschiedsspiel war tituliert worden als Spiel um den Franz-Beckenbauer-Cup, doch dass Barcelona nach einem sehenswerten Schuss von Lionel Messi in der 82. Minute 1:0 gewann, das war eher von untergeordneter Bedeutung. Es war Schollis Fest, und es wurde seinem extravaganten Fußballspiel gerecht: Bombastisch, pompös und operettenhaft wurde Scholl ins Retiro geschickt. Vor dem Spiel gab es eine Art Performance mit Trommlern, Turnern, Luftballons und Feuer; sogar die Jungs von Scholls Sport-Leistungskurs des Abiturjahrgangs 1991 waren komplett angereist, um den Schulfreund zu ehren. Die offizielle Ehrung durfte dann aber doch Ronaldinho übernehmen und Scholl ein Extrageschenk überreichen. Der war begeistert, ein ganz Großer verabschiedet einen nicht ganz so Großen.

Und das ist ja das Erstaunliche, dass Scholl – 1x Europameister, 1x Weltpokalsieger, 1x Champions-League-Sieger, 1x Uefa-Cup-Sieger, 8x Meister, 5x Pokalsieger, 0x Weltmeister, 0 WM-Spiele – eine derartige Wertschätzung genoss, dass sein Karriereende mit 36 Jahren derart zelebriert wird. Er selber nahm es eher nüchtern: „Ich bin dann jetzt weg und wünsche Euch eine schöne Zeit.“ Und das war er dann auch.

Immerhin gab Scholl vorher noch zu, dass es nicht ganz so leicht sei, „wenn man mit einer Leidenschaft abschließt“. Er habe noch keinen Plan, wie es weitergehen soll: „Schaun mer mal.“ Als alles gesagt schien, nahm sich Frank Rijkaard noch einmal das Mikrofon. „Ich gratuliere Mehmet Scholl zu seiner großartigen Karriere“, sagte Barcelonas Coach. „Er war ein großartiger Spieler.“ Beckenbauer ergänzte: „So ein Typ wie der Mehmet wird der Bundesliga fehlen.“ Aber der Mehmet hat das schon nicht mehr gehört. Der war schon weg. Hinterlassen hatte er noch folgendes: „Mein Leben ist nicht zu Ende – es geht jetzt erst los.“ Helmut Schümann

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