Sport : Zum Abschied noch ganz Mensch

Magdalena Neuner wird bei ihrem letzten Auftritt Zehnte, Andreas Birnbacher verschießt kurz vor Schluss den Sieg.

Das finale Defilee für Magdalena Neuner kam mit gehörigen Macken daher. Angefangen beim Wetter in den bayerischen Alpen, das zum letzten WM-Rennen der 25-jährigen Wallgauerin einen ekligen Nieselregen über der Chiemgau Arena niedergehen ließ. Es war das ultimative Kontrastprogramm zum Samstag, als Deutschlands Biathletinnen bei Kaiserwetter und vor vollbesetzten Rängen noch einen triumphalen Gold-Lauf zelebriert hatten. Und auch sportlich war der letzte Weltmeisterschaftssonntag für Neuner ein mächtiger Reinfall.

Selbst Franz Beckenbauer war gekommen und hatte einen Scherz dabei. „Man hat mich zu spät informiert, sonst hätte ich beim Wetter nachgeholfen“, sagte er als tropfnasser Augenzeuge. An Magdalenas Neuners zehntem Platz im Massenstartrennen traf ihn aber natürlich keine Schuld. Neuner, die hinter Dauerrivalin Darja Domratschewa zwar mit der zweitschnellsten Laufzeit aufwartete, konnte ihre sechs Fehlversuche bei insgesamt 20 Schüssen nicht wettmachen. Auf ihren vielen Strafrunden war Neuner rund zwei Minuten länger unterwegs als die Medaillengewinnerinnen Tora Berger (Norwegen), Marie Laure Brunet (Frankreich) und Kaisa Mäkäräinen (Finnland), die sich alle nur einen Fehlschuss leisteten – und kam schließlich mit 70 Sekunden Rückstand auf die Siegerin ins Ziel.

Für einen anderen Deutschen wäre es hingegen fast ein großer Tag geworden: Bis zum 16. Treffer lag Andreas Birnbacher im Massenstart auf Goldkurs. Doch den viertletzten seiner 20 Schüsse setzte der 30-Jährige knapp daneben. Im Sprint um die Medaillen musste der Bayer auf der Zielgeraden dann auch noch zwei Schweden an sich vorbeiziehen lassen. 1,2 Sekunden fehlten Birnbacher auf Bronze. Es siegte der Franzose Martin Fourcade.

Da war die Bilanz von Neuner schon besser als die von Birnbacher. Mit zwei Mal Gold, ein Mal Silber und ein Mal Bronze reiste sie ab. Im Massenstart, ursprünglich Elfte, profitierte sie davon, dass die Russin Olga Saizewa wegen eines Verstoßes gegen die Sicherheitsbestimmungen disqualifiziert wurde. Vor allem beim letzten Stehendanschlag schoss Neuner, um ihre letzte Chance auf eine letzte WM-Medaille zu wahren, in einem Höllentempo auf die fünf Scheiben – und zielte dabei drei Mal daneben. „Wer Lena kennt, weiß, dass es für sie in dem Moment nur noch Hopp oder Top gab“, sagte Frauen-Bundestrainer Gerald Hönig. Neuner sagte trotzdem: „Es war eine tolle WM, an die ich immer zurückdenken werde – auch wenn es heute nicht so gut geklappt hat.“ Mit einem Dutzend an WM-Goldmedaillen wird sie sich in sechs Tagen in den sportlichen Ruhestand verabschieden und bei diesem Ausblick wandern die Gedanken der Doppelolympiasiegerin vor allem zu Miriam Gössner, die es beim gestrigen Massenstart nur zur Standby-Athletin geschafft hatte. Denn noch beim Staffelsieg der DSV-Frauen am Tag zuvor überzeugten neben der treffsicheren Schlussläuferin Andrea Henkel (Platz 12 im Massenstart) vor allem Tina Bachmann, die gestern als beste Deutsche auf Rang vier kam – und die 21-jährige Gössner. Während Neuner eine Strafrunde drehen und sich nachher bei den Kolleginnen bedanken musste. „Wir haben gemeinsam Gold gewonnen“, betonte sie.

Erstaunliches gab es tags zuvor am Rande zu vermelden. Da machte unter den deutschen Skijägerinnen die Meldung die Runde, dass sich Langlauf-Olympiasiegerin Evi Sachenbacher-Stehle künftig als Biathletin versuchen will. Neuner rief bei der Spezialistin an und sagte, offenkundig baff: „Sie hat’s uns bestätigt.“ Ihr selbst kann dieser erstaunliche Spartenwechsel egal sein. Ihrer neuen Freundin Miriam Gössner, die wegen ihrer Dauerfehde mit den schwarzen Scheiben immer wieder mit dem Vorschlag konfrontiert wird, zu den Langläufern zurückzukehren, jedoch nicht. „Die Miri hat das persönlich ein bisschen verletzt“, erzählte Neuner, die nach der für sie nur halbwegs glorreichen Heim-WM nun noch ein großes Ziel vor Augen hat: Zum dritten Mal nach 2008 und 2010 den Gesamt-Weltcup zu gewinnen.

Über drei Rennen hinweg wird sie sich von Freitag an im sibirischen Khanty-Mansiysk noch ein letztes Mal mit ihrer härtesten Rivalin, der Weißrussin Darja Domratschewa, duellieren. „Die große Kugel möchte ich schon ganz gerne noch heimschleppen. Denn die Saison ist für mich erst vorbei, wenn wir in Khanty in der Disco stehen“, hat sich Magdalena Neuner für ihre letzte Reise in der Biathlon-Branche vorgenommen. Und danach gilt fürs Erste, was Andrea Henkel, bis zu ihrem für 2014 angepeilten Karriereende nun die Primadonna unter den DSV-Skijägerinnen, gerade verkündet hat: „Natürlich geht mit ihr eine starke Athletin. Aber ganz so große Sorgen müssen wir uns nicht machen.“

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