• Zum ersten Mal bei Hertha und den Eisbären: "Mein blau-weißer Schal fliegt mit nach Brasilien"

Zum ersten Mal bei Hertha und den Eisbären : "Mein blau-weißer Schal fliegt mit nach Brasilien"

Unsere brasilianische Mitarbeiterin schaute bei Hertha BSC und bei den Eisbären vorbei – und war begeistert von beiden Spielen und der Atmosphäre.

Thais Contarin
Brasilianerin, früh dran. Thais Contarin vor Herthas Spiel gegen Dortmund im Olympiastadion. Foto: promo
Brasilianerin, früh dran. Thais Contarin vor Herthas Spiel gegen Dortmund im Olympiastadion.Foto: promo

In den vergangenen Tagen habe ich zwei der schönsten Live-Sport-Erfahrungen meines Lebens gemacht. Freitag war ich in der Arena am Ostbahnhof, wo ich gemeinsam mit über 13.000 anderen Fans mein erstes Eishockeyspiel besuchte. Am nächsten Tag wurde ein Traum für mich war, als ich im ausverkauften Olympiastadion beim Spiel Hertha BSC gegen Borussia Dortmund dabei war. Es war eine unglaubliche Atmosphäre und am Ende gewann Hertha ein sehr spannendes Spiel. Es war das erst Mal, dass ich ein internationales Stadion besuchte. Einmal war ich schon in Argentinien, in der legendären Bombonera, aber da hat kein Spiel stattgefunden. Mein Ziel ist es, so viele Stadien zu besuchen wie ich kann, und der erste Schritt ist nun getan.

Das einzige Mal, das ich bisher Eishockey geguckt hatte, war bei den Olympischen Winterspielen, aber auch nur am Fernseher. Deshalb habe ich mir als jemand, der aus einem tropischen Land wie Brasilien kommt, nie vorstellen können, jemals die rasanten und gut ausgerüsteten Spieler so nah zu Gesicht bekommt. Dieses Spiel war eines der coolsten Dinge, die ich je gesehen habe, aber bevor wir dazu kommen, müssen wir noch über etwas anderes sprechen.

Die Momente vor dem Spiel waren ein wahrhaftiges Spektakel. Die Lichtershow, die Musik, das Feuerwerk und natürlich die lautstarken Anhänger der Eisbären, die voller Stolz ihre Fahne schwenkten und ihre Lieder sangen. Das hat mich wirklich überwältigt und obwohl das Spiel noch nicht mal begonnen hatte, war es schon eine tolle Erfahrung.

 Dann wurde es aber noch spannender, als die Spieler das Eis betraten und ihre ersten Runden drehten. Zunächst hatte ich etwas Schwierigkeiten zu verstehen, was genau die Regeln waren, aber zum Ende hin war das kein Problem mehr. Das Hauptproblem war dann, den winzig kleinen Puck bei den rasanten Spielzügen nicht aus den Augen zu verlieren.

Leider schossen die Gäste aus Mannheim das erste Tor, das dämpfte die Stimmung ein kleines bisschen. Den Eisbären-Fans machte es jedoch nichts aus, die machten einfach weiter, als wäre nichts passiert. Sie wurden sogar immer lauter und dann merkte ich, mit welcher Hingabe und Leidenschaft sie dabei sind, beim Eishockey und bei den Eisbären.

Großes Spektakel. Die Show vor dem Spiel der Eisbären. Foto: Imago
Großes Spektakel. Die Show vor dem Spiel der Eisbären.Foto: Imago

Vor dem Ende des ersten Drittels nahm ich mein Handy aus der Tasche und machte ein Video von den Fans um einige dieser Momente mit Freunden und Familie teilen zu können. Wie es der Zufall so wollte, schossen in genau diesem Moment die Eisbären das Tor zum Ausgleich. Ich erlebe diesen Moment nun wieder und wieder, wenn ich auf „Play“ drücke.

Bei einem Spiel dabei zu sein ist super, aber sein Team – ja, ich bin jetzt auch ein Eisbär – zu sehen ist etwas ganz anderes und macht es noch schöner. Besonders wenn dein Team gewinnt, das kann nichts übertreffen. Genau das ist dann auch passiert: Die Eisbären gewannen das zweite Spiel der Serie mit 6:3 und auf dem Weg nach Hause war ich zwar sehr glücklich, aber auch nervös wegen dem morgigen Tag und dem nächsten Event, dem Hertha-Spiel.

Bei Hertha gegen Borussia Dortmund schwamm ich in einem Farbenmeer

Erst beim Frühstück wurde mir richtig bewusst, dass ich kurz davor stand, mein erstes richtiges Fußballspiel im Stadion zu erleben. Als ich die Türen des Gemeinschaftsraums öffnete, war ich umrundet von gelben Trikots und das in Berlin. Als ich zurück in mein Zimmer kam, hörte ich die Fans schon in den Straßen singen. 

Ein paar Stunden später war es dann so weit und ich machte mich auf zum Stadion. Ich wollte so früh wie möglich da sein, um so viel von der Atmosphäre um das Stadion herum einzufangen wie möglich. Die letzten zehn Tage hatte ich tagtäglich auf mein Ticket geschaut und konnte ein Grinsen nicht verbergen. So oft hatte ich im Fernsehen Bundesligaspiele gesehen, aber jetzt war ich live dabei und mein Herz raste am Samstagnachmittag.

Ich konnte nicht aufhören, mich in der S-Bahn ständig umzugucken. Überall gelbe und blaue Trikots, ich schwamm in einem Farbenmeer. Das erste was ich tat als ich am Stadion ankam, war mir einen blau-weißen Schal zu kaufen, damit alle um mich herum wissen, für welches Team ich jubeln würde. Genau das tat ich, zweimal. Aber zunächst war ich versunken in der Magie des Olympiastadions. Riesig, atemberaubend, voller Menschen. 

Es war schwer zu glauben, dass ich tatsächlich da war, so richtig merkte ich es, als die Spieler zum Auflaufen das erste Mal das Feld betraten. Letzen Mittwoch sah ich die drei Tore von Aubameyang gegen Benfica in der Champions League im Fernsehen und als ich aufschaute, war er direkt vor mir. Super, oder? Aber was mich am meisten beeindruckte, waren die Fans beider Teams. Als Brasilianerin kann ich versichern, dass ich weiß, wie viel Leidenschaft die Fans haben. Doch was ich von den Fans bei diesem Spiel sah, machte mich sprachlos.

Es war keinen Moment still in den gesamten 90 Minuten. Hertha erzielte den ersten Treffer und das Stadion war außer sich. Der Jubel beim ersten Tor war einer der besten Momente, die ich je in einem Stadion gesehen habe. Schale kreisten über den Köpfen, das Jubellied spielte und die Wechselrufe von Fans und Stadionsprecher waren großartig. Doch auch die Dortmund Fans sangen weiter und schwenkten die Fahnen, als ob nichts gewesen wäre. Zu ihrer Freude schossen die Schwarz-Gelben kurz nach Wiederanpfiff den Ausgleich.

Am Ende des Spiel waren es aber wieder die Berliner, die ihre Mannschaft feiern durften. Der Sieg brachte Hertha nicht nur drei Punkte, sondern auch viel Selbstvertrauen im Kampf und das internationale Geschäft. Ich hoffe, sie schaffen es, und jetzt bin ich auch überzeugt, dass sie es verdient hätten.

Nach diesen beiden Tagen, in denen ich diese Erfahrung aus nächster Nähe erlebt habe, werde ich zusammen mit vielen weiteren schönen Erinnerungen zurück nach Brasilien fliegen – und mit meinem blau-weißem Schal.

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