Sport : Zum Fürchten

Mit dem 1:3 in Stuttgart verspielt Hertha BSC die gute Stimmung vom Jahresanfang

Oskar Holding

Stuttgart. Huub Stevens hätte für jede Geisterbahn getaugt. So Furcht erregend grimmig schaute er drein. Schmale Lippen, die Brauen zusammengezogen, der Blick starr geradeaus und das bedrohliche Kopfwackeln, als wolle er jeden Augenblick lospoltern. All die Leichtigkeit in seinem Gesicht, die ihn nach dem 2:1-Sieg über Borussia Dortmund ausgezeichnet hatte, war verschwunden. „Wir sind nicht froh“, sagte Stevens in aller Eile. Draußen durch den Kabinengang rollten die Transportwägelchen mit den Taschen und Schuhkisten. Die Gäste hatten es eilig. Das Flugzeug in Echterdingen wartete. Und bleiben wollte im Daimler-Stadion nach der 1:3-Niederlage gegen den VfB Stuttgart sowieso keiner.

„Eine vermeidbare Niederlage, und das in einem wichtigen Spiel“, sagte Verteidiger Marko Rehmer. „Es hat die Entschlossenheit gefehlt“, sagte Manager Dieter Hoeneß. „Und die musst du haben, wenn du ganz nach oben willst.“ So rauschten sie ab in Windeseile. Alles schnell-schnell. Und sie machten sich selbst Mut. „Es gibt noch viele Gelegenheiten, den Uefa-Cup zu erreichen“, sagte Rehmer. Und Hoeneß wollte kritische Stimmung gar nicht aufkommen lassen. „Wir können doch nicht jede Woche wieder anfangen und rechnen.“ Er sprach nach den Toren von Amanatidis, Hleb und Ganea sowie dem zwischenzeitlichen 1:2 durch Marcelinho von einem „verschenkten Sieg“. Bart Goor sagte: „Wenn wir das 1:0 machen, dann haben wir das leichtere Spiel.“

Doch sie machten das 1:0 nicht. Es war der VfB Stuttgart, der sich die Leichtigkeit zu Eigen machte. „Die haben clever gekontert“, klagte Stevens. „Die erste halbe Stunde war sehr gut, dann haben wir die Räume zu groß gelassen. Nach dem 2:0 mussten wir großes Risiko gehen.“ Erst in den letzten zehn Minuten schafften die Berliner es, Druck zu machen. „Da sind wir etwas in Bedrängnis geraten“, sagte der Stuttgarter Andreas Hinkel. „Aber wir haben durch unsere Serie Selbstvertrauen bekommen.“ Das spürten die Herthaner. Meist kombinierten die Stuttgarter einen Tick schneller, und die Berliner liefen hinterher. „Vielleicht sind wir nicht so reingegangen, um den Ball zu bekommen“, mutmaßte Goor. Das traf auch für Josip Simunic zu, der vor dem 0:1 den Torschützen Amanatidis kurz aus den Augen verloren hatte .

„So bedingungslos entschlossen wie Amanatidis musst du sein, wenn du ein Tor machen willst“, sagte Hoeneß. Und nachdem Hleb nach einer schönen Kombination mit Kuranyi das 2:0 erzielt hatte, schien alles gelaufen. Zu zweit hatten die Stuttgarter Herthas Abwehr ausgespielt. Torwart Gabor Kiraly konnte den ersten Schuss von Hleb noch abwehren, doch der Ball rollte dem Weißrussen wieder vor die Füße. Und nach dem 2:1, fand Hoeneß, war sogar noch der Ausgleich möglich. Zuvor, in der 52. Minute, waren Rehmer und Bartosz Karwan einen Meter vor der Linie am Ball vorbeigesprungen. „Wir wollten hier etwas holen, das wäre zu schaffen gewesen“, sagte Hoeneß.

Nach dem 3:1 durch Ganea in der Schlussminute waren solche Überlegungen hinfällig, genauso wie die Befürchtungen der Stuttgart. „Wir hatten schon Zweifel, ob hier die neue Hertha auftritt“, sagte VfB-Trainer Felix Magath. „Die Berliner haben „nicht ganz den Willen gezeigt, den wir gezeigt haben“. Die Stuttgarter stehen jetzt auf Rang vier und träumen von weiteren Erfolgen.

Hertha hingegen spielt nächste Woche wieder gegen einen direkten Konkurrenten um einen Uefa-Cup-Platz. „Da können wir einiges gutmachen“, sagte Rehmer. Am Samstag kommt Schalke 04 ins Olympiastadion. „Ich denke, wir schaffen das. Es ist noch genug Zeit vorhanden. Wir dürfen uns nicht verrückt machen.“ Ähnlich dachte auch Felix Magath nach den zwei Siegen zum Rückrundenstart: „Wir wollen oben spielen. Das tun wir jetzt. Oben mitspielen heißt aber nicht gleichzeitig, dass man immer oben steht.“

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