Sport : Zum Glück gezwungen

Nicht ganz freiwillig setzt Felix Magath beim FC Bayern auf Lukas Podolski – mit Erfolg

Daniel Pontzen[München]

Lukas Podolski hatte offensichtlich wenig Lust, zur Ursachenforschung beizutragen, doch selbst wenn er gewollt hätte, wäre es ihm nicht möglich gewesen. Was denn in den vergangenen beiden spielfreien Wochen bei Bayern München passiert sei, was zu der Leistungssteigerung seiner Mannschaft geführt habe, wurde der Stürmer nach dem 4:2-Sieg über Hertha BSC gefragt. „Das weiß ich nicht, da war ich nicht da“, berichtete der 21-Jährige wahrheitsgemäß.

In jener schlagfertigen Erwiderung versteckte sich indes ein Hinweis auf die gewünschte Antwort. Lukas Podolskis Abwesenheit hatte ja gute Gründe, er war mit der deutschen Nationalmannschaft unterwegs und hatte beim EM-Qualifikationsspiel in der Slowakei das getan, wozu er in München zuletzt wenig Gelegenheit erhalten hatte: Er stürmte und erzielte zwei Tore.

In seiner neuen Wahlheimat hatte dies die Erwartung geschürt, dass der bei Bundestrainer Joachim Löw mit einer Einsatzgarantie ausgestattete Stürmer nun auch endlich bei den Bayern von Anfang an angreifen dürfe. Als dann Trainer Felix Magath vor dem Spiel allerlei Gründe für eine mögliche erneute Nichtberücksichtigung Podolskis hervorbrachte, die zum Teil einer wirren Logik folgten („Es kann auch sein, dass er schlecht spielt und Selbstvertrauen verliert. Davor muss ich ihn schützen“), sah sich die Münchner Presse zu reichlich Fundamentalkritik veranlasst – nicht ohne den Hinweis, dass manche Magath’sche Personalentscheidung auch bei Bayerns Führung auf zunehmendes Unverständnis stößt. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge etwa hatte schon vor der Saison verkündet, man habe einen wie Podolski nicht für die Ersatzbank verpflichtet.

Ob Felix Magath seinen vermeintlichen Problemfall infolge jener Drohkulisse von Beginn an aufstellte, bleibt sein Geheimnis. In jedem Fall entpuppte sich seine Entscheidung, wie zuletzt des Öfteren einen Drei-Mann-Sturm aufzubieten, als Schlüssel zum Sieg. Das erstmals gemeinsam agierende Offensivtrio, bestehend aus Roy Makaay, Claudio Pizarro und Podolski, war mit Abstand stärkster Münchner Mannschaftsteil. Alle drei beteiligten sich abwechselnd am Aufbau, das Zusammenspiel untereinander funktionierte verblüffend reibungslos, zudem trug sich jeder in die Torschützenliste ein. Kurzum: Die drei Angreifer taten alles, um sich als Dauerlösung für die arbeitsreichen kommenden Wochen zu empfehlen, denn in den nächsten 29 Tagen stehen für die Bayern immerhin neun Spiele an. Felix Magath stellte daraufhin umgehend in Aussicht, dass man diese Sturmbesetzung „sicher noch ein paarmal erleben“ werde. Denn die taktische Ausrichtung mit drei Spitzen sei künftig der Normalfall, von der er nur bei besonders anspruchsvollen Gegnern, etwa in der Champions League, abweichen werde. Ein Sonderlob erhielt Lukas Podolski, nach Magaths Ansicht war er „sicher der Stürmer, der am meisten gearbeitet hat“. In Wahrheit war dies jedoch Roy Makaay. Der Niederländer, den Magath wegen dessen phlegmatischer Spielweise in den vergangenen Wochen ungewöhnlich scharf kritisiert hatte, war die erstaunlichste Erscheinung des Spiels; er lief so viel, wie er es früher mitunter in drei Spielen zusammen nicht tat, und agierte phasenweise wie ein Spielmacher. Mark van Bommel, der wegen leichter muskulärer Probleme zur Pause ausgetauscht wurde, beim Champions-League-Spiel am Mittwoch bei Sporting Lissabon aber dabei sein wird, stellte zufrieden fest: „Die drei haben hervorragend harmoniert. Unser Sturmproblem ist gelöst.“

Ganz so euphorisch sah Podolskis Nachbetrachtung nicht aus. Zwar freute er sich über sein erstes Bundesliga-Tor im Dress der Bayern, übermäßiges Lob jedoch wehrte er ab. Als er gefragt wurde, ob das soeben erprobte Angriffstrio die Lösung für die Zukunft sei, winkte Lukas Podolski ab. „Klar, dass ihr das jetzt sagt – und in drei Wochen sieht es dann wieder ganz anders aus.“ Als dem Stürmer daraufhin Felix Magaths Aussage überliefert wurde, wonach er der Stammformation durch seine gute Leistung ein Stück näher gekommen sei, konnte er jedoch schon aus Gründen wie Hierarchie und Höflichkeit nicht widersprechen: „Wenn er das so gesagt hat, wird das wohl stimmen“, sagte Lukas Podolski.

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