Sport : Zum Jubiläum überreizt

NAME

AUSGEBREMST

Hartmut moheit über den Nürburgring und die Probleme der Formel 1

Ein Zuschauerrekord? Natürlich gab’s einen Zuschauerrekord. Walter Kafitz hat ihn auch in diesem Jahr vermeldet. 150 000 Fans machen den Chef des Nürburgrings sehr stolz, denn 2001 waren es offiziell 30 000 weniger. Eine wirtschaftliche Erfolgsmeldung zum 75. Geburtstag des Eifelkurses, die passt besonders gut. Allein die neue Mercedes-Arena hat dem Veranstalter zusätzlich 8000 Plätze gebracht. Und Kafitz jongliert jetzt mit positiven Meldungen, als würde sich Deutschland in einer Hochkonjunktur-Phase befinden. In Wirklichkeit geht es um die Rechtfertigung von Millionen-Investitionen, um die hohen Einnahmen der Kommunen rund um den Nürburgring und letztlich um tausende Arbeitsplätze.

Die Erfolgsgeschichte Formel 1 und Nürburgring wird damit weiterhin sehr gut verkauft, doch die Macher des Rennkurses können sich nicht den Zwängen der eigentlichen Formel-Bosse um den Milliardär Bernie Ecclestone entziehen. Denn diese Spitzenmanager legen die Regeln fest, und es stellt sich heraus, dass diese Regeln nicht mehr zeitgemäß sind. Besser gesagt: Ecclestone und seine Leute haben überreizt. Die Eintrittspreise sind am Nürburgring förmlich explodiert. Sie sind so stark gestiegen, dass selbst eingefleischten Fans der Spaß vergangen ist. 400 Euro für ein Ticket in der neuen Mercedes-Arena, 260 bis 320 Euro für einen einfachen Tribünenplatz für Training und Rennen und sogar 2850 US-Dollar für einen Platz im noblen Paddock-Club bei Champagner, Häppchen, eigenem TV-Monitor und Parkplatzgarantie, das hinterlässt seine Wirkung.

Während die Fans sich früher an einem Formel-1-Wochenende ohne Eintrittskarten die Nase an den Zäunen platt drückten, weil die Kassen längst geschlossen hatten, gab es diesmal sogar am Tag des Rennens noch problemlos Tickets zu kaufen. Schon deshalb muss man die offizielle Zuschauerzahl mit sehr viel Skepsis betrachten. Positiv an dieser Entwicklung ist allein, dass Schwarzhändler Verluste machten. Geradezu panisch verschleuderten sie zuletzt die gehorteten Tickets. Die überhöhten Preise, die massive Überlegenheit von Ferrari und die ungeschickte Politik mit der Teamorder hinterlassen deutliche Spuren.

Dass Ferrari am Sonntag auf eine Teamorder verzichtete, ist dieser Entwicklung geschuldet. Ferrari wollte die ohnehin gereizte Stimmung nicht noch mehr verschlechtern. Denn viele Fans drohten bei einer Wiederholung eines Bremsmanövers wie beim Großen Preis von Österreich, als Rubens Barrichello Michael Schumacher gewinnen lassen musste, mit endgültigem Liebesentzug. Allerdings ist diese Rücksichtnahme auf die Fans letztlich nicht mehr als ein ganz billiger Handel. Ferrari gab seinen Fans ein bisschen Zucker und bekam dafür Sympathiewerte zurück. Wenn Michael Schumachers WM-Chancen ernsthaft in Gefahr gewesen wären, dann hätte Ferrari die Teamorder wieder eingesetzt. Die Fans spüren das.

Es herrscht mithin im Moment nicht mehr als ein Burgfriede. Der Verzicht auf eine plumpe Teamorder bedeutet aber noch lange nicht, dass die Formel 1 wieder aus der Krise ist. Dafür hat die Hochgeschwindigkeits-Branche zu viele tief greifende Probleme.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben