Zum Saisonstart der Dritten Liga : Ein Hauch von DDR

Heute startet die Dritte Fußball-Liga in ihre neue Spielzeit. Wer sind die Stars? Will denn keiner aufsteigen? Und wo kommen nur diese Aufsteiger her? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

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Ostruck. Das gab es doch schon mal. Rostocks Dieter Schneider fängt in der Oberligasaison 1970/71 eine Flanke gegen Halle ab.
Ostruck. Das gab es doch schon mal. Rostocks Dieter Schneider fängt in der Oberligasaison 1970/71 eine Flanke gegen Halle ab.Foto: picture alliance / ZB

Gibt es die DDR-Oberliga wieder?

Zumindest kommen bei den Fans des Ostfußballs nostalgische Gefühle auf. Durch die Ankunft der Zweitliga-Absteiger Dynamo Dresden und Energie Cottbus spielen erstmals sechs Vereine aus den neuen Bundesländern in der Dritten Liga. Das sind doppelt so viele wie in der Zweiten Liga (drei Klubs) und deutlich mehr als in der Bundesliga (null). Die Chancen stehen gut, dass es bei diesem Rekordrevival der DDR-Oberliga bleibt. Dresden hat 19 Spieler abgegeben, so viele wie Cottbus neu verpflichtet hat. Die Trainer Stefan Böger bei Dynamo und Stefan Krämer bei Energie sind ebenfalls neu – das alles deutet auf eine längere Eingewöhnungszeit in der Dritten Liga hin. Auch Hansa Rostock, der Chemnitzer FC, der am Samstag gleich auf den Halleschen FC trifft (14 Uhr, live im MDR), und Rot-Weiß Erfurt haben keinerlei Ambitionen geäußert, die Liga nach dieser Saison verlassen zu wollen. Obwohl: Hansa hat immerhin mit Peter Vollmann den Trainer zurückgeholt, der die Rostocker zum bisher letzten Zweitliga-Aufstieg 2011 geführt hat.

Will denn keiner aufsteigen?

Neben Dresden und Cottbus weigert sich auch Arminia Bielefeld, offiziell von der Zweitligarückkehr zu sprechen. Dabei konnte Trainer Norbert Meier sein Team, das erst in der Verlängerung der Relegation verlor, mit erfahrenen Profis verstärken (wie Peer Kluge von Hertha BSC). Zumindest wird Bielefeld von den anderen Trainern als Aufstiegsfavorit benannt. Noch vor dem SV Wehen Wiesbaden, dem VfL Osnabrück, Preußen Münster und dem MSV Duisburg. Auch wenn dort ebenfalls kein Verantwortlicher klar vom Aufstieg spricht. Wie bei den meisten Klubs in der finanziell wenig lukrativen Liga wurden die Budgets eher gekürzt als aufgestockt. Dass zwei Teams derart vorneweg marschieren wie der 1. FC Heidenheim und RB Leipzig vergangene Saison, steht nicht zu befürchten. Aber die wollten ja auch aufsteigen.

Wo kommen nur diese Aufsteiger her?

Interessant ist vor allem, wo bei Fortuna Köln und der SG Sonnenhof Großaspach das Geld herkommt. Köln war einst 26 Jahre Zweitligist, stürzte dann ohne Mäzen Jean Löring bis in die fünfte Liga ab und verscherbelte Klubanteile im Internet. Die kaufte der Netzunternehmer Michael Schwetje auf. Bei einem Verpassen des Drittligaaufstiegs hatte er mit seinem Rückzug gedroht und damit dem Aus des Vereins. Auch im württembergischen Aspach hält man es nicht so genau mit der Trennung von Klub und Investor. Angestellte des Hotels Sonnenhof gründeten den Klub in den Siebzigerjahren als Freizeitmannschaft. Heute lebt in dem Haus die Schlagersängerin Andrea Berg mit ihrem Ehemann Ulrich Ferber. Der ist Besitzer des Hotels und Mäzen des Klubs. Die Spieler sind weiter Hobbykicker. „Wir sind ein Dorfverein mit guten Bedingungen, können aber keine großen Summen zahlen“, sagt Martin Cimander. Der Verteidiger arbeitet wöchentlich 35 Stunden bei einem Automobilzulieferer.

Wo sind die Stars?

Sie sitzen auf der Bank, bei der Spielvereinigung Unterhaching. Christian Ziege, Vize-Weltmeister von 2002, ist dort seit März Trainer. Christian Wörns, Vize-Europameister 1992, ist seit Juli sein Assistent. Mehr als die 72 Länderspiele Zieges und die 66 von Wörns hat kein Coach in den ersten drei Ligen zu bieten. Selbst der zweite Co-Trainer Francisco Copado, Vize-DFB-Pokalsieger 2006, hat immerhin 49 Bundesligaspiele absolviert. Das Problem: Die drei Coaches sind damit deutlich prominenter und erfahrener als ihre jungen Spieler, die Unterhaching vor dem Abstieg bewahren sollen. Ansonsten wird es prominente Namen in der Dritten Liga wohl nur zu sehen geben, falls Bundesliga-Profis in den Zweitvertretungen von Borussia Dortmund, des VfB Stuttgart oder des FSV Mainz Spielpraxis sammeln müssen.

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