Zum Tod von Gerhard Reimann : Die Vielfalt des Sports immer im Sinn

Zum Tod von Gerhard Reimann.

Gitta Schlusche
Gerhard Reimann (1926 – 2011)
Gerhard Reimann (1926 – 2011)

Angefangen hat alles mit Briefmarken. Mit Miniaturmeldungen, die Liebhaber buchstäblich mit der Lupe aufspüren mussten, irgendwo auf den hinteren Seiten der Zeitung, wo gerade Platz war, weil ein anderer Text oder eine Anzeige weggebrochen war. Als Gerhard Reimann 1951 als Redaktionsassistent zum Tagesspiegel kam, spielte der Sport in der täglichen Berichterstattung eine nicht mal untergeordnete Rolle. Diesen Zustand zu ändern, hat er sich ein Berufsleben lang zur Aufgabe gemacht. Mit Erfolg: Reimann fing als Ein-Mann-Sportredaktion an, und als er 1991 in den Ruhestand wechselte, war sein Ressort auf acht Redakteure angewachsen.

Schnell stieg Reimann zum Redakteur und Sportchef auf. Wie Günter Matthes, Heinz Ohff oder Joachim Bölke stand er für die alten, patriarchalischen Ressortleiter, die in den Sechziger-, Siebziger- und Achtzigerjahren das Blatt prägten. Stets hielt er die schützende Hand über die Redaktion. Er forderte gute Arbeit und Einsatzfreudigkeit und war dabei doch immer großzügig und freigiebig.

Und er hatte einen Sinn für die Vielfalt des Sports. Gerhard Reimann war keiner, für den erst Fußball kam und danach Fußball, Fußball und noch mal Fußball. Er hatte Interesse an allen Sportarten, aber seine große Leidenschaft war das Boxen. Hier war er wie kein Zweiter bewandert, eine Koryphäe, geschätzt von den Kollegen, respektiert von den Athleten. Max Schmeling, Joe Louis, Karl Mildenberger, Eckhard Dagge, Norbert Grupe, René Weller, die Gebrüder Rocchigiani – Gerhard Reimann kannte sie alle. Und sie kannten ihn. Noch als Rentner war er ein gern gesehener Gast am Boxring.

Seine Freizeit verbrachte er am liebsten mit der Familie, hin und wieder arbeitete er im elterlichen Garten. Er war aber auch selbst sportlich aktiv; Laufen und Fahrradfahren waren seine sportlichen Hobbys.

Seine zweite Liebe neben dem Sport war Theater. Dazu war Reimann ein leidenschaftlicher Tänzer. Ein Berliner Presseball ohne das Ehepaar Helga und Gerhard Reimann – undenkbar. Erst im hohen Alter musste er von dieser Leidenschaft lassen. Reimann litt unter Diabetes, er hatte Herzprobleme, dazu kam eine schwere Lungenentzündung, seine letzten Tage verbrachte er im künstlichen Koma auf der Intensivstation.

Einen Tag vor dem Heiligen Abend ist Gerhard Reimann im Alter von 85 Jahren in Berlin gestorben.

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