Sport : Zum Umbruch gezwungen

Handball-Bundestrainer Martin Heuberger überrascht mit seinem WM-Kader.

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Schonen für Deutschland. Sven-Sören Christophersen setzt bei den Füchsen Berlin wegen einer Knieverletzung momentan aus, will bei der Weltmeisterschaft aber für die Nationalmannschaft auflaufen. Foto: dpa
Schonen für Deutschland. Sven-Sören Christophersen setzt bei den Füchsen Berlin wegen einer Knieverletzung momentan aus, will bei...Foto: picture alliance / dpa

Berlin - Der Kurswechsel hatte sich bereits angedeutet, allerdings in gemäßigter Form. In seinen 15 Monaten als Handball-Bundestrainer ist Martin Heuberger bislang stets als moderater Reformer in Erscheinung getreten: Er vermittelte hier, beschwichtigte dort, in erster Linie trieb er die Verjüngung des Teams voran, ohne altgediente Kräfte rigoros rauszuwerfen. Mit dieser Vorgehensweise könnte es jedoch alsbald zu Ende gehen. Jedenfalls legt der Kader, den Heuberger gestern mit Blick auf die Weltmeisterschaft in Spanien (11. bis 27. Januar) nominierte, diesen Schluss nahe: Unter den 17 Nominierten, die sich ab dem 27. Dezember in der Sportschule Steinbach vorbereiten werden, finden sich gleich sechs Spieler, die ihr Debüt bei einem großen Länderturnier geben werden: Namentlich sind das Tobias Reichmann, Kevin Schmidt, Steffen Fäth (alle HSG Wetzlar), Stefan Kneer (SC Magdeburg), Martin Ziemer (Hannover-Burgdorf) und Steffen Weinhold (SG Flensburg-Handewitt). Zudem haben fünf Akteure erst zehn A-Länderspiele oder weniger absolviert. „Ich bin im Sommer 2011 angetreten, um einen Umbruch einzuleiten. Was ich da begonnen habe, führe ich nun systematisch fort“, sagt Heuberger.

So ganz freiwillig vollzieht der Bundestrainer die personellen Umstellungen jedoch nicht. Vielmehr hat der Prozess durch den Verzicht von Holger Glandorf und Lars Kaufmann eine neue Dynamik bekommen. Die beiden Rückraumspieler der SG Flensburg-Handewitt hatten in der vergangenen Woche ihre WM-Teilnahme abgesagt und diese Entscheidung mit langwierigen Knieverletzungen begründet. Heuberger hatte „einige Versuche unternommen, nach den gesundheitlichen Problemen Brücken zu bauen. Das war nicht erfolgreich“. Zu einem Politikum war der Fall vor allem deshalb geworden, weil Glandorf – der aktuell womöglich beste deutsche Rückraumspieler – und Kaufmann im Verein seit Monaten regelmäßig und phasenweise herausragend spielen. Ob das Flensburger Duo überhaupt wieder in den Kader zurückkehrt, erscheint zumindest fraglich. Heuberger sagt: „Ich freue mich auf die neuen Möglichkeiten mit jungen Spielern, die ich aus dem Junioren-Bereich kenne. Wir stellen einen Kader mit Perspektive.“ Mit Torhüter Carsten Lichtlein (TBV Lemgo), Linksaußen Dominik Klein (THW Kiel), Spielmacher Michael Haaß (FA Göppingen) und Abwehrchef Oliver Roggisch (Rhein-Neckar Löwen) stehen nur noch vier Akteure der Weltmeistermannschaft von 2007 im Aufgebot. Zu jenem Team zählte auch Regisseur Michael Kraus, der sich bis zuletzt Hoffnungen auf eine Rückkehr in die DHB-Auswahl gemacht hatte. Heuberger entschied sich auf der Spielmacherposition aber für Martin Strobel (TBV Lemgo) und Haaß.

Von den Füchsen Berlin haben zwei Spieler den Sprung in den Kader geschafft. Torhüter Silvio Heinevetter zählt zum Stammpersonal im Heuberger’schen System. Darüber hinaus nominierte der Bundestrainer mit Sven-Sören Christophersen einen Akteur, der im Moment noch mit den Folgen einer Knieverletzung zu tun hat und im Verein nicht spielt. Im Gegensatz zu Glandorf und Kaufmann schont sich Christophersen im Verein, um bei der Weltmeisterschaft im Januar 2013 dabei sein zu können.

In diesem Zusammenhang lobte Heuberger explizit die Zusammenarbeit mit den Füchsen Berlin. Diese sei „eng und gut“, sagt der Bundestrainer, bei den Berlinern spüre man „den hohen Stellenwert der Nationalmannschaft“. Eine Erkenntnis, die Martin Heuberger in dieser Form sicher gern häufiger artikulieren würde.

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